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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-06-01 · Heft 6 (1.6.1902) · p. Seite 139

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 6 (1.6.1902)
Date
1902-06-01
Page
Seite 139 (sequence 19)
Language
German
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— 139 — Antisemitismus angeschlossen."-„Weil die ehrlichsten religiösen Bestrebungen so schwer geschädigt werden durch diese Ausbrüche des Hasses und der Leidenschaft, | deshalb bin ich umsomehr durchdrungen von der Notwendigkeit, diesem unser Vaterland tief beschämenden Schauspiel ein Ende zu machen und mit asten Kräften darauf hinziiwirken, daß dieser Streit, der uns vor andern Nationen nicht zur Ehre gereicht, 1 endlich aufhört- Mögen die Geister mit einander ringen, das kann nur gut sein für das Volk, aber gegen diese Auswüchse mich zu erklären, war mir damals eine Gewissenspflicht und bleibt es noch heute. In welcher Weise sich das Judentum *; assimiliert mit der großen Menge des Volkes auch auf religiösem Boden, das mag der Vorsehung überlassen bleiben. Aber jedenfalls muß die antisemitische Bewegung ihr Ende finden und aufhören, wenn das Volk sich auf sich selbst besinnt und sagt, daß es damit nur sich selbst herabsetzte. — Allgemeine Aufmerksamkeit zieht im' '3 Künstlerhause in Wien der „Hiob" von Epstein auf sich und allgemein hört man das Urteil, wäre Epstein nicht Russe und Jude, wäre ihm der Reichel-Preis zugefallen. Der Künstler hat es verstanden, abseits von allen konventionellen Geschichtsklitsch, wie er sich in den« verwundeten Tilly, dem sterbenden Kurfürsten und dem 1 gefangenen Rienzi breit und patzig macht, den alten Stoff in neuen, wuchitigen >j Strichen zu bemeistern. Vor allem fällt die Farbenfreudigkeit des Malers akf, der mit seltener Kühnheit verschiedene Farben neben einander setzt und doch eine > harmonische Gesamtwirkung erzielt. Das Bild atmet Rasse und damit ist es als j Kunstwerk gestempelt. Hiob liegt am Boden ausgestreckt, das Gesicht ist vom Beschauer abgewendct, und die ganze Tragik liegt in der Haltung der Hände, die | fragend und verzweifelnd ausgestreckt sind. Es ist ein feiner Zug des Künstlers, 1 daß wir das Gesicht nicht sehen; denn das von Krankheiten, Sorgen, Trauer und ' Verzweiflung enstellte Angesicht wäre ein unerfreulicher Anblick, dagegen sehen wir ‘ rings um Hiob seine Freunde, in edler Haltung ihren Schmerz bemeisternd; jeder einzelne eine Charakterstudie in der Art und Weise, wie er die Klagen und Anklagen Hiobs aufnimmt. — In Wien starb am 21. April Herr Rabbiner Dr. David j Lömy, Redakteur der „Neuzeit", die von Simon Szanto begründet und nach dessen Tode von dem unvergeßlichen Prediger Dr. Adolf Jellinck redigiert wurde. Der edle Heimgegangene erfüllt von dem Glauben an die Macht des Judentums trat als ein wackerer Kämpfer in Wort und Schrift stets begeistert für dasselbe ein. Das Andenken des überzeugungstreuen tüchtigen Mannes, dem eine seltene Übereinstimmung zwischen seinen Gesinnungen und Thaten beschieden war, bleibt ein gesegnetes. — Herr Dr. Franz Schaffer, Custos am Naturhistorischen Hofmuseum in Wie«, welcher von einer geologischen Forschungsreise nach dem Orient zurückgekehrt ist, hat zuletzt jene Gegend bereist, durch welche der von einer deutschen Gesellschaft geplante Bahnbau bis nach Bagdad geführt werden soll, und machte hierüber der Geographischen Gesellschaft in Wien die folgende» interessanten Mitteilungen: von Koni« > aus, dem jetzigen Endpunkte der anatolischen Eisenbahn, wird die Linie ihre» Anfang

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