Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- Seite 134 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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134 Denken und Fühlen, so ist auch seine Ausdrucksweise durchaus jüdisch. Für jedes seiner Gleichnisse können wir eine oder mehrere Parallelstellen aus dem Talmud anführen. Sein Gebet, das schönste, was je ein gläubiger Mensch gesprochen, ist erfüllt von jüdischen Gedanken, die sich auf das geistljche Band zwischen Mensch und Schöpfer beziehen. Die Bergpredigt ist der höchste Ausfluß rabhinischer Ethik und ist geschmückt mit Bilder» und Gleichnissen, welche den Rabbinen eigen waren. Jesus ist Seele von unserer Seele, wie er Fleisch von unserem Fleische war. Wer denkt daran, ihn vom Volke auszuschließen? Petrus wird der einzige Jude bleiben, der zu dem Nachkommen Davids sagte: „Ich kenne diesen Menschen nicht!" Wenn die Juden bis auf den heutigen Tag noch nicht dazu gelangt sind, die moralische Größe Jesu voll und ganz anzuerkennen, so 'tragen die beständigen Verfolgungen, Martern und Hinschlachtungen die Schuld, die ihre Peiniger in seinem Namen an ihnen vollzogen haben. Die Juden haben von den Jüngern auf den Meister geschlossen; das war ein Unrecht, aber ein verzeihliches Unrecht gegenüber den Opfern des beklagenswerten Hasses der sogenannten Christen. Jedesmal, wenn ein Jude sich in die Quellen vertiefte und sich mit Jesus beschäftigte, rief er voll Begeisterung aus: „Er. . ist unsrer Rasse und wir nehmen ihn für uns in Anspruch, wie wir die Synoptiker (die drei ersten Evangelien) für uns beanspruchen, diese Blüte der jüdischen Literatur, der rein jüdischen!" Die Revision seines Prozesses? Sie ist ja schon seit langem durchgeführt. Die bedeutendsten Kenner der Kriminalistik und des jüdischen Prozeßverfahrens haben mit unwiederleglichen Beweisen ausgeführt, daß der Prozeß Jesu, wie er uns durch die Tradition überliefert ist, niemals, wenigstens vor einem jüdischen Tribunal nicht, stattgefunden haben kann. Wenn Jesus zum Tode verurteilt worden ist, so ist dies einzig nur durch römische Richter geschehen und kein glaubenstreuer Jude hat daran den mindesten Anteil nehmen können. Vor. einem jüdischen Tribunal wäre ein frommer Mann, der die estnischen oder ebionitischen Dogmen öffentlich bekannte, selbst wenn er sich vom Sabbatsgesetz losgesagt, selbst wenn er den Geist über den Buchstaben gesetzt, selbst wenn er sich als den Verheißenen, den Gesalbten des Herrn ausgegeben hätte, niemals zum Tode am Kreuz verurteilt worden, weil das eine nach jüdischem Gesetz unerlaubte Todesart ist. Er hätte auch niemals am Freitage, dem Vorabend des Passahfestes, hingerichtet werden können, weil das Gesetz jede Hinrichtung an einem solchen Tage streng verbietet. Wenn Juden Jesum in der Weise verurteilt hätten, wie die Tradition sie uns darstellt. so hätte» sie eine Reihe Frevelthaten begangen, deren jede einzige den Urhebern schreckliche Strafen gebracht hätte. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Verlauf dieses Prozesses nur ein Racheakt derjenigen sein konnte, welche die Juden dafür strafen wollte», daß sie die göttliche Mission Jesu nicht anerkennen wollten." Italien. Cesare Lombroso in Turin, der bekannte Strafrechts-Gelehrte (s. Trusting and Toiling, Sept. 1901, S. 134): „In meinen Augen ist Jesus eins der