Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- Seite 133 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 133 — Frankreich. Oberrabbiner Emile Levy in Bayonne*): Durch die Verkündigung der '' Überlegenheit des Geistes über die Materie und durch die Lehre von der Unsterb- 3 lichkeit der Seele und vom zukünftigen Leben, durch seine zugleich rührend und poetisch geformten Ermahnungen an die Menschen nnd indem er sich stets bemühte, dem göttlichen Beispiele durch ein barmherziges, demütiges bescheidenes und reines j Leben näher zu kommen, hat Christus der Menschheit und der Sache des Fort- ] schritts und der Zivilisation einen unermeßlichen Dienst gethan. Denn et breitete so die jüdische Lehre aus, welche eine beständige Verbesserung der Einzelnen und I der Gesellschaft bezweckt und zur Vorbereitung der messianischen Zeit und der Brüderlichkeit aller Nationen beiträgt. Joseph R e i n a ch in Paris: „Echte Humanität wird vom ersten bis zum letzte» Tage der Durst nach Liebe sein, und Jesus ist und wird eins der höchsten, wenn ' nicht das höchste Vorbild der Humanität bleiben, weil seine Worte und seine Gleichnisse Md seine Poesie eine ewige Quelle der Liebe sind und bleiben werden' * A Dr. Theodore Reinach kn Paris: „Obgleich wirsehr wenig Gewisses über das Leben Md die Lehre Christi wissen, so wissen wir doch genug von ihm, um zu glauben, daß er sowohl in der Moral wie in der Theologie der Erbe und Fortsetzer der alten Propheten Israels war. Es ist keine notwendige Kluft zwischen ' Jesaia und Jtsu; aber es ist das Unglück sowohl des Judentums als des Christenj tumS, daß eine Kluft durch die Entfiltrierung heidnischer Ideen in das eine und daS hartnäckige, wiewohl nur zu erklärliche Wiederstreben des andern, unter die ' Propheten einen seiner größten Söhne einzureihen, gerisien ist. Ich betrachte eS : als eine Pflicht erleuchteter Christen und Juden, sich zu bemühen, daß eine Brücke < über diesen Abgrund geschlagen werde." ' Max Nordau. neben Herzl die bekannteste zionistische Persönlichkeit, ant- . »ortete dem Pater Hyacinthe infolge einer Aufforderung, den Richterspruch, welcher - Jesum verurteilt hat, zu vernichten (s. Allgemeine Zeitung des Judentums 1900, 34; Freund Israels sBasels März 1900, S. 28): „In jedem Falle ist der 3 Christus, den wir durch die einen Überblick gewährende Geschichte kennen, eine typische Gestalt, ein idealisierter Jude. Er beobachtet das Gesetz, er lehrt die; Moral Hillels: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Ewige Dinge halten seinen Geist beständig umfangen und er fühlt sich in seelischer Gemeinschaft mit Gott. Er verachtet, was sterblich an ihm ist und alle flüchtigen Berührungspunkte des irdischen Lebens. Dieselben Charaktereigenschaften zeichnen auch die besten Jude» zur Zeit der römischen Herrschaft aus und ganz besonders sinden wir sie bei den ' Essäern, deren Leben so streng religiös war. Wie fein Ursprung, sein gapzes *) Dies» Stimme samt den zwei unmittelbar nachfolgenden nach 'Prasting and Toiling, Sept. 1901.