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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-06-01 · Heft 6 (1.6.1902) · p. Seite 132

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 6 (1.6.1902)
Date
1902-06-01
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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- . <V '• .> ■' -T’t * - ' IV ..- ■ — 132 — in seiner Vaterstadt Nazareth verspottet, fand dann Anhang in Galiläa. Der Messias, der in seiner Person dort auftrat, wandte sich nicht an die Schriftgelehrten, sondern an die große Masse und suchte besonders ans Leute veredelnden Einfluß zu gewinnen, die außerhalb der herrschenden Gesellschaftskreise standen. In vielen Stücken betrat er die Wege der Essäer. Wie Hillel besaß er besonders die Tugend der Demut und übte die Nächstenliebe. Mit allen seinen Aussprüchen stand er auf dem Boden des Judentums und sprach dies auch ausdrücklich aus. Weil er sich aber als Gottessohn bekannte, wurde er in Jerusalem wegen Gotteslästerung gefangen genommen und Pilatus übergeben. Weil das Gesetz ihn verurteilte, wurde er, dem damaligen barbarischen Strafgesetz entsprechend, gekreuzigt. Er aber blieb . ein Märtyrer der Liebe für alle Zeiten. Den größten Erfolg hat er als der edelste und erhabenste der Menschensöhne für alle Zeiten als Gründer der Religio» der Menschenliebe errungen. Baruch Schayhir ( s. Scattered Nation April 1898, S. 66), in ganz Galizien und im weiteren Osten als Dichter in hebräischer wie in deutscher Sprache und im Jargon bekannt, hat ein Gedicht auf Jesum verfaßt, in dem er ihn als Sohn Gottes und Israels einzige Hoffnung preist. Ein kleines Heft seiner Jargongedichte ist in Leipzig 1898 erschienen. Dr. ph. Jecheskiel Caro in Lemberg (f. Trusting and Toiling, Sept. 1901, S. 134): „Das ursprüngliche Christentum, wie Jesus von Nazareth es lehrt« und predigte, ist durchaus nicht von den ethischen Grundsätzen des Judentums verschieden. Er selbst erklärte, daß er nicht gekommen sei, das Gesetz aufzulösen". Schweiz. Dr. E. Molchow in Genf (»Jesus ein Reformator des Judentums," , Zürich 1880) geht in manche» Beziehungen «och weiter. Er bestreitet es ganz richtig, daß die Lehre Jesu mit der der Pharisäer oder Essäer übereinpimmte. Dann aber sagt er: „Jesus war ein genialer, hochsittlicher, auf das Innerliche dringender Geist und sein Bestreben einerseits die Bekämpfung des Pharisäertums und anderseits die Begründung eines mosaisch prophetische» Judentums »ach dem Geist. Er wollte das biblische Judentum destillieren, sozusagen eine verbesserte Auflage des Mosaismus in's Leben rufe». Er betrachtete sich lange nur als Reformator des Judentums in prophetischem Geist; hernach drängte sich ihm die GckenvtrüS auf, daß seine neue Lehre eine ganz neue Epoche in der jüdische« Religion begründe. Für den Sohn Gottes aber hat er sich nicht gehakten." Den Inhalt der Lehre Jesu giebt Molchow folgendermaßen an: „Der Glaube a« Gott und die Liebe zu ihm und zu dem Nächsten. Jesus hat auch nichts anderes von den Menschen verlangt als Tugend. Selbstveredelung,, Gerechtigkeit urch Nächstenliebe. kurz: Humanität,"

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