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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-06-01 · Heft 6 (1.6.1902) · p. Seite 129

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 6 (1.6.1902)
Date
1902-06-01
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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. -7-.- ' *•---■>- ••■ x-.sij - m - . Großkausteute sind zu klag, «m jene kluge Herren nicht zu verstehen: aber sie \ scheinen nicht verstehen zu wollen. j Ich weiß nicht, ob ich mich irre, aber eS scheint mir, daß auch in dieser \ vitalen jüdischen Frage die amerikanische Judenheit eine leitende Rolle zu spielen i berufen sei. Noch vor 2—3 Jahren verhöhnte man in der jüdischen Presse und \ auf de« Jahresversammlungen der Central Conference of American Rabbis den Zionismus und sah ans die Zionisten als auf eine Gruppe halbverkommener, halbwahnsinniger, religiös-politischer Fanatiker herab. „Amerika ist unser Palästina, - Washington ist unser Jerusalem," war das pompöse LösungSwort. In der vor« | jährigen Versammlung in Philadelphia, (3.—5. Juli), der beizuwohnen ich das Vergnügen hatte, wandte sich das Blatt. Der Präsident des Rabbinerverbandes, Dr. Joseph Silverman, Rabbiner der größten und reichsten Gemeinde der Metropole, Templ« Emanuel, hatte den männlichen Mut, einen guten Teil seiner Jahresbotschaft dem Zionismus zu widmen: er lud seine Kollegen ein, das ' Problem zu studieren, bevor sie über dasselbe den Stab brechen. Als die Frage zur Debatte kam und Dr. Stephen Wise, einer der beredesten und befähigsten jüngeren Rabbiner des Landes und zugleich einer der glühendsten Vorkämpfer des j Zionsmus, dar Wort ergriff, da schwiegen die älteren, in Europa geborenen und erzogenen Mitglieder des Verbandes — denn ihnen steckt noch die Liebe zu Zion, : so zu sagen, in den Gliedern — während die jüngeren Heißsporne durch die / feurige Beredsamkeit Stephen Wise's zum Schweigen gebracht wurden. Dieser junge Wise (sein vor einigen Jahren hier als Rabbiner verstorbener Vater war ein Ungar) gab jüngst seinen hiesigen Posten auf Und zog nach dem äußersten Westen, nahe dem Stillen Ozean, um in Portland, der Hauptstadt Oregon's den Sieg des Judentums und die Erlösung des Juden zu predigen. Und nun tritt gar der Fürst der jüdischen Kanzelredner Amerika's, Dr. Emil G. Hirsch in Chicago, aus den Reihen der Antizionisten k tont prix: er streckt den russischen, rumänischen und galizischen Brüdern seine mächtige Hand hin und verspricht ihnen, für sie zu kämpfen, sofern sie Mut genug zeigen werden, um die ersten Schritte zu ihrer Befreiung vom Joche des osteuropäischen Jammers selber zu thun. Daß Schechter, der Rumäne, mit feinen verfolgten Glaubensbrüdern und Landsleuten eine tiefe Sympathie empfinden muß, ist natürlich. Welche Stellung wird er, der in religiös-politischen Fragen der Geheimrat der jüdischen Millionäre New-Iork's werden dürfte, dem Zionismus gegenüber einnehmen? Davon hängt, soweit ich beurteilen kann, bis zu einem gewißen Maße das Schicksal dieser Bewegung in Amerika ab. Dr. Richard Gottheil, Professor an der hiesigen Columbia University, Sohn des bekannten Nestor's der New-Iorker Rabbiner, Dr. Gustav Gottheil, hatte den Mut und die Geschicklichkeit, die zionistische Idee» deren Wiege wie überall so auch hier das Ghetto war, salonfähig zu machen. Sein Freund und Schüler, Dr. Stephen Wise, versieht, wie eben erwähnt, am

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