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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-06-01 · Heft 6 (1.6.1902) · p. Seite 127

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 6 (1.6.1902)
Date
1902-06-01
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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127 Schon das wäre ein ersehnenswerter Fortschritt, obwohl ich an dessen Verwirklichung innerhalb der nächsten 5—6 Jahre zweifle. Was ich durch meine Encyklopädie anstrebe und was die mir als Ideal vorschwebende New-Aorker Hochschule (auf den Namen kommt es hier nicht an : das englische Uigdsodool-Mittelschule; dem deutschen Begriffe „Hochschule" entspricht im Englischen am besten: „University") erreichen soll, ist die allmählige Vorbereitung des Terrains und die Ausbildung akademischer Lehrer der jüdischen Wissenschaft. Hermann L. Strack und August Wünsche dürsten heute in ganz Deutschland die einzigen christlichen Gelehrten sein, welche stante pede eine der Ziegler'schen Professuren bekleiden könnten; in Frankreich, resp. England, vielleicht Maurice Bernes und Charles Tylor. Ich erlaube mir daher, unseren jüdischen Millionären einen dritten additionellen Posten für ihr jiidisches Budget zu empfehlen: Präsentiert je ein Gratisexemplar der „Jewish Encyclopädie“ zunächst allen Universitäts-, Stadt- und Gymnasialbibliotheken, allen Professoren und Privatdocenten der Geschichte, Theologie und der orientalischen Sprachen. Innerhalb von 3—4 Jahren werdet ihr kein von diesen gelehrten Herren geschriebenes Buch oder Abhandlung in die Hand nehmen können, ohne die Spuren ihrer Beschäftigung mit jüdischer Literatur zu entdecken. Zwanzig christliche Privatdocenten der Geschichte der orientalischen Sprachen werden, wenn die Saat reif ist gleichzeitig auf den Gedanken kommen, in ihrer „überhäuften" Karriere durch die Schöpfung eines Judaicakvllegium eine neue Sektion zu schaffen; s i e werden schon an die Thore der akademischen Senate, Akademien der Wissenschaft und Unterrichtsministerien klopfen, um in ihrem eigenen, persönlichen Interesse der jüdischen Wissenschaft Eingang zu verschaffen. Und wenn dann der jüdischen Geschichte ein Ranke oder Mommsen, der jüdischen Literatur ein Wilhelm Scherer oder Erich Schmidt ersteht, dann wird das arme Aschenbrödel „Thora" auf den ihm gebührenden Thron erhoben werden und die armen Juden, welche kaum ihr „Aleph Beth" werden stottern können, werden zu ihrer Schande von dem Krönungsfeste fernbleiben müssen.- Herzl, Nordau, Zangwill, Francis Montefiore haben das Recht und die Pflicht, von Zeit zu Zeit für ihr zionistisches Ideal an die jüdischen Goldsäcke zu appellieren; ich habe das Recht und die Pflicht, um meinem literar-wissenschaftlichen Ideale näher zu kommen, gelegentlich von Dollars, Francs, Mark und Gulden zu sprechen. Aber ihr Rabbiner müßt uns helfen. Während wir jüdischen Realpolitiker, wenu's sein muß, das Losungswort Montecuculi's „Geld, Geld, Geld!" adoptieren dürfen, muß Euer Schlachtruf sein: „Thora, Thora, Thora". Prediget Moral und zeigt den Mitgliedern Eurer Gemeinde Eure homiletische Meisterschaft an den hohen Festtagen, an ausgezeichneten Sabbathen, aber an jedem gewöhnlichen Sabbath halte eine Vorlesung aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur. Macht aus Euren Synagogen akademische Lehrhallen des Judentums und derjenige Rabbiner, der sich seine Gemeindejugend dermaßen wird herangrzogen

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