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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-06-01 · Heft 6 (1.6.1902) · p. Seite 126

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 6 (1.6.1902)
Date
1902-06-01
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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126 und Männern wie Zunz, Geiger, Jellinek reblichen die Thore der Akademieen verschlossen. Doch seien wir gerecht. Weder Konrad von Eybesfeld, noch Freiherr von Gautsch, noch mein alter, verehrter Lehrer, Wilhelm Ritter von Härtel*), hatten, resp. haben eine richtige Vorstellung von der Bedeutung und dem Umfange der Wissenschaft des Judentums. Diese Männer kennen kein Hebräisch, noch weniger haben sie eine Ahnung von der Ausdehnung -er talmudischen, rabbinischen und neuhebräischen Literatur. Die „Monatsschrift", die „Revue des Etudes Juives,, und die „Jewish Quarterly Beview" werden auf dem Minoritenplatze**) nicht gelesen. ..." Durch eine Massenverbreitung der „Jewish Encyclopedia" zunächst unter den Tausenden von Englisch verstehenden, deutschen, ungarischen und böhmischen Professoren, Geistlichen, Schriftstellern, Lehrern, Journalisten, Advokaten, Aerzten, Richtern und sonstigen Staatsbeamten von Einfluß würde eine bessere Erkenntnis des Wesens des Judentums und des Juden in die Köpfe und Herzen der geistigen, moralischen und politischen Führer der Massen dringen- Seid froh, daß ein christliches Verlagshaus in dem von Euch so ferne liegenden Amerika eine Riesensumme opfern will, damit einer Eurer Landsleute und Glaubensgenossen der Welt in zwölf illustrirten Prachtbänden die Lebens- und Leidensgeschichte Israels erzähle. Es liegt an Euch, das Interesse des großen Publikums für dieses großartige Märtyrologium und Gedankenpanorama zu erwecken." Steinschneider, Bacher, Karprles, Jakob und Sie, mein lieber Dr. Ziegler, haben ja vollkommen Recht, die Rabbinerseminarien als eine Art Ghetto der jüdischen Wissenschaften zu betrachten, aber geradeso wie wir Juden trotz aller, oft viele Jahrzehnte alter Emanipationsdekrete, selbst in den vorgeschrittensten Ländern — England, Vereinigte Staaten, Holland, Frankreich — noch nicht in jeder Hinsicht als völlig gleichberechtigt angesehen werden, ebensowenig kann durch noch so herrliche Stiftungsurkunden die jüdische Wissenschaft mit einem Schlage zu einem organischen Teile des GesammtwisseNs, der Universitas literarum werden. Gesetzt den Fall, daß Baron Albert von Rothschild oder der Sohn und Erbe des leider zu früh dahingegangene» Moritz Freiherrn von Königswarter dem österreichischen Ministerium die zur Begründung einer Lehrkanzel für jüdische Geschichte und Literatur notwendige Summe anböte und dieselbe ad hoc angenommen würde. Das Resultat würde folgendes sein: da vorläufig nur von einem jüdischen Professor die Rede sein kann, so dürste seine Zuhörerschaft aus den Schülern des Wiener Rabbinerseminars, einigen jüdischen Univerfitätsstudenten und einer Handvoll Wiener „Maskilim" bestehen; von Zeit zu Zeit dürste ja ein christlicher Zuhörer aus Neugierde das eine oder das andere Kollegium Judacium „belegen". *) Die Namen dreier hervorragender österreichischer Unterrichtsminister. **)Sitz des österreichischen Unterrichtsministeriums.

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