Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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125 Die Mische Menaiffance in Amerika. Von Dr. Isidor Singer. (Schluß.) Kein Vernünftiger würde mir einen Vorwurf daraus machen, wenn ich mich bemühte, meine christlichen Verleger in den Stand zu setzen, ihre Riesenkosten zu decken und eventuell aus dem Unternehmen einige Tausend Dollars Nutzen zu ziehen: das würde weniger ihnen als der jüdischen Literatur zu Gute kommen, denn deren Lebensfähigkeit würde in diesem großen Maßstabe zum ersten Mate vom finanziellen Standpunkte erwiesen worden sein. Aber ich gestehe offen, daß ich die geschäftliche Seite des Unternehmens vertrauensvoll meinen Verlegern überlasse; ich verfolge hier höhere als arithmethische Ziele. Wie ich es in meinen verschiedenen Programmen, Circularen und „Interviews" nicht müde wurde, hervorzuheben, war es von allein Anfänge mein Traum, mittelst der „jüdischen Encyklopädie" die Wissenschaft des Judentums „universitäts- und akademiefähig" zu machen. Teilweise ist der Traum in Erfüllung gegangen: der erste Band wurde im Institut äs Franc«, in den Akademieen der Wissenschaften von Amsterdani, Budapest, Krakau, rc. in öffentlicher Sitzung mit standesgemäßen Ehren präsentirt. Dr. Ziegler (Allgemeine Zeitung des Judentums 1901 Nr. 35) hatte in seinem vortrefflichen Aufsatze „eine jüdische Universität" *) den Juden Deutschlands und Oesterreichs geraten, bereits jetzt, etwa in Potsdam und „Am Hofe" neben den deutschen und österreichischen Kriegsreservefonds einen Fonds für jüdische Wissenschaft anzulegen, um denselben in naher oder ferner Zukunft den diversen Unter, richtsministerien und akademischen Behörden behufs Errichtung von Lehrkanzeln für jüdische Geschichte und Literatur zu Verfügung zu stellen. Ich weiß nicht, wie viele Millionen oder Hunderttausende von Gulden resp. Reichsmark fiir jenen löblichen Zweck in die eisernen Türme der respektive« Regierungen bereits geflossen sind, doch ich erlaube mir immerhin, meinen unbekannten Freund in der österreichischen Heimath auf mein in der Wiener „Neuzeit" erschienenes Schreiben vom 22. Oktober v. I. hinzuweisen, und zwei Stellen aus demselben hier wörtlich zu citiren: . . .„Unsere, wenigstens offizielle, soziale Emancipation gipfelte in der „Hoffähigkeit" eines oder zweier Dutzende unserer reichen Glaubensgenossen. Die „Höfe" der Wissenschaft sind die Universitäten und Akadem'en; sie zählen zwar hunderte von Juden zu Mitgliedern, aber nur in deren Eigenschaft — als Philologen, Orientalisten, Chemiker rc. Die Wissenschaft des Judentums wird noch immer in den diversen europäischen Unterrichtsministerien und akademischen Senaten als eine Art wissenschaftlichen Aschenbrödels behandelt; die Rabbinerseminarien und jüdischen „Lehranstalten" sind noch immer als Anstalten „außer des Lagers" auzusehen *) Bgl. Prof. Julius Pagel's Bortrag in der Allg. Ztg. d. Jdt. 1903 31. Jänner.