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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-05-01 · Heft 5 (1.5.1902) · p. Seite 117

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 5 (1.5.1902)
Date
1902-05-01
Page
Seite 117 (sequence 21)
Language
German
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117 mit Algier ca. 200.000, England über 150.000, Italien ca 45.000, Holland und Belgien ca. 10.000, in den übrigen Staaten unter 10000. Als die beiden größten jüdischen Gemeinden dürften New-Dork mit 850.000 und Warschau mit 280000 Juden zu betrachten sein. — Herrn Dr. K. Ehajes hielt im jüdischen Volksverein in Wien einen Vortrag über „Altjiidische Namen". Der Vortragende führte aus, wie »ach dem Sturze Napoleons überall die Reaktion sich breit machte, und auch in Preußen als Ausdruck des Muckertums den Juden verboten wurde, deutsche Namen zu führen. Zunz bestritt den Deutschen die moralische Berechtigung zu dieser Verfügung und geriet dadurch in eine literarische Fehde mit Paul de Lagarde, der ihm vorwarf, er führe de» Namen Leopold mit Unrecht, er heiße eigentlich Jom Tauw. Er vergaß aber dabei, daß er, der Teutone, eigentlich Bötticher heiße und diesen Namen mit dem schöner klingenden französischen de Lagarde vertauscht hatte. Der Vortragende geht nun auf sein eigentliches Thema über. Die alten Juden nannten ihre Kinder mit Namen, die irgend eine Beziehung mit dem Gottesnameu hatten; damit stellten sie das Kind in den Schutz Gottes; zweitens benannten sie dieselben nach Festen, drittens mit Ausdrücken, die eine Beziehung zum Könige hatten, wie z. B. Geschenk des Königs, Diener des Königs. Sie hatten aber auch den auffallenden Brauch, nach Götzen die Kinder zu benennen, Mordechai stammt ab von dem Götzen Marduk, dem Lieblingsgotte Nebukadnezars, Esther von Astarte; denselben Ursprung haben j&ie Namen Nebo Thai me. Ebenso auffallend ist es, daß manche Juden sich den yiamen Titus gaben. Zur hellenistischen' Zeit plünderten die Juden den ganzen Olhmp und die griechische Heroenwelt. Heute sei es wieder Sitte, urarische Namen den jüdischen Kindern zu geben. — Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Wien hielt Herr W. A. Fürst einen Vortrag über „Samson Wertheimer und die österreichischen Juden". Der Vortragende schilderte in treffender Weise die gewaltige Gestalt Samson Wertheimers, der ebenso bedeutend als Landesrabbiner wie als Ober-Hof- und Kriegs-Faktor war. Wertheimers Verdienste um Kaiser und Reich fanden wiederholt Anerkennung und gaben ihm bei Hofe eine einflußreiche Stellung, die er stets zum Besten seiner unterdrückten Glaubensgenossen, nie zum eigenen Vorteil benützte. — Man berichtet: In Kojetein starb am 25. März Herr Rabbiner Dr. Samuel Kosenzweig im noch jugendlichen Alter von 34 Jahren. — Man berichtet aus Görz: Seit dem Bestände des Landtages ist nunmehr das erste Mal ein jüdischer Abgeordneter in denselben entsendet worden, es ist dies Dr. Graziadio Luzzatto, Advokat in Görz. — Vor kurzem verschied in Kudaprst der ehemalige Kartograph des königlich ungarischen Statistischen Landes-Bureaus, Herr Ignaz Hatsek. Der Verblichene, welcher ein Alter von 74 Jahren erreichte, war der Begründer der Kartographie in Ungarn und der Autor tausender von Karten, die teils statistischen Zwecken, teils auch heute noch als Lehrniittel in den Bürger- und Hochschulen dienen. Geboren zu Vüg-Neustadtl im Jahre 1828, studierte HLtsek an dem Technikum in Olmütz, später in Ofen, beteiligte sich im

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