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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-05-01 · Heft 5 (1.5.1902) · p. Seite 116

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 5 (1.5.1902)
Date
1902-05-01
Page
Seite 116 (sequence 20)
Language
German
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116 geschieden, dem er lange Jahre in seltener Pflichttreue angehört hatte, wurde einstimmig zum Ehrenmitglied der Gemeinde ernannt. — Eine wichtige Nachricht wird uns aus deni Bureau des Deutsch-Jsrealitischen Gemeindebundes mitgeteilt. Hofrat Prof. Dr. Kostn in Freiburg hat in Ausführung des vom VIII. Deutsch-Jsrealitischen Gemeindetage im Oktober 1899 gefaßten Beschlusses: auf Grund der inzwischen veranstalteten Enquete über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden im Deutschen Reiche ein neues Organisationsgesetz auszuarbeiten, freundlichst übernomnien. — Der in Wannheint verstorbene Bankdirektor Julius Wammelsdorff, früher lange Jahre in Ostasien und Mexiko Bankvorstand, hat seine wertvolle Bibliothek, die 6000 Bände, darunter viele Unika der italienischen und spanischen Literatur, umfassen soll, der Stadt Mannheim testamentarisch vermacht. Auch seine aus Cochinchina und Mexiko stammendeKuriositätensaminlung fällt der Stadt Mannheim zu. — Mit Beziehung auf die Hinweisung, daß der amerikanische Marinesekretär Kong in seiner Ansprache an Prinz Heinrich Deutschland als das Land Steubens, Göthes, Heines und Mendelssohns gefeiert hat, mag folgendes interessieren. In der vor zwei Jahren mit einem Aufwande von 6 Millionen Dollars erbauten Kongreß- Bibliothek in Washington, einem der prachtvollsten und wirklich schönsten Gebäude der Welt, sind unter den Verzierungen des Aeußeren und Innern die Bilder und Namen der größten Schriftsteller aller Zeiten. Die deutsche Dichtkunst ist dabei nur durch zwei Namen vertreten: Göthe und Heine. Das ist denn doch nicht nur die vorübergehende Nachtisch-Aeußerung eines zum Urteile über Litteraturverhältnisse nicht ausersehenen Seemannes wie unsere antisemitischen Freunde jedenfalls die Rede von Long hinstellen werden, sondern der wohlüberlegte Ausdruck der kompenteilten Kreise Amerikas und bestätigt das Urteil auch der übrigen Welt über den Rang, welchen der Semit Heine in der deutschen Litteratur einnimmt. Marinesekretär Long hat in der offiziellen Ansprache an den Prinzen Heinrich Deutschland nicht nur als „das Vaterland Göthes, Heines und Mendelssohns" gefeiert, sondern auch ausgeführt, was die Vereinigten Staaten den Vollem der alten Welt verdanken: „Was schulden wir nicht alles der Küste des Mittelländischen Meeres, die uns Jesus und die Juden gab. Der Eine, der Begründer der aufgeklärtesten und edelsten Religion aller Zeiten, und die Anderen, das Herz der Menschheit, der Vorläufer der kulturellen Wunder der modernen Zeit, die, als alle anderen Nationen. noch beständig Krieg mit einander führten, daran gingen, den zivilisierenden Handel unter den Völkern aufzubauen." — In Aöln-Ehrenfeld fand am 9. März die erste Beerdigung auf dem neuen Friedhofe statt. — Die Zahl sämtlicher Juden der Erde wird gegenwärtig auf zirka 11 Millionen geschätzt. Davon entfallen auf Europa 8 Millionen, auf Asien und Amerika je 900.000, Afrika ca. 670.000 und Australien ca. 20.000. In den einzelnen europäischen Staaten existieren: in Rußland ca. 5 Millionen, in Oesterreich-Ungarn 1,900.000, in Deutschland nicht ganz eine Million, in der Türkei 350—400.000, in Rumänien über 300.000, Frankreich

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