Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 118 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969893-2969899--6608-2975954- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
'HfjU-f, 3 »**» **K*»Af iv (:■ [ f i I — 118 — Jahre 1848 an dem Freiheitskampfe, wo er als Honvsd-Oberleutnant gefangen genommen und in die Armee eingereiht wurde. Eine zeitlang bewährte er sich als Ingenieur bei der provisorischen Landesvermessung in Ungarn, später gelangte er nach Wien in das Geographische Institut, von wo er im Jahre 1867 als Kartograph nach Pest versetzt wurde. Vorerst dem Finanz-, später bem Handelsministerium zugeteilt, schuf er eine riesige Anzahl statistischer, speziell auf Ungarn bezughabender Karten, die gelegentlich mehrerer Ausstellungen belobt nnd besprochen wurden. Auch „Petermann's Mitteilungen" zählten ihn zu ihrem langjährigen Mitarbeiter. Er war Ritter des Franz'Josef-Ordens, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, Mitglied der Geographischen Gesellschaft und Experte zum Schutze der Autorrechte. — Jüngst starb in Sarajewo der Oberrabbiner für Bosnien und die Herzegowina, Abraham Abinum. Er wirkte zuerst 28 Jahre in Travnik und seit 14 Jahren in Sarajewo. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung; unter den Trauergästen, die dem Sarge folgten, befand sich auch der Civiladlatus Baron Kutschera. — In Prag hielt Herr Prof. Philipps«» einen Vortrag über: „Das Judentum und die übrigen Kulturreligionen." In großen Zügen entwarf der Historiker ein anschauliches Bild des Entwicklungsganges der jüdischen Lehre, bezeichnet« als die drei Etappen den Mosaismus, den Prophetismus und den Talmudismus und führte in lichtvoller Weise aus, wie jede einzelne derselben in jeweils veränderter, der Zeit angepaßten Form dem Grundgedanken des Monotheismus und der Nächstenliebe zu dienen bestimmt war. In gleich interessanter Weise behandelte der Gelehrte bic bem Judentums entsprungenen Tochterreligionen, die christliche sowohl als den Islam, und wies nach, daß letzterer, wenn äußerlich auch der jüdischen Religion näher verwandt, derselben in idealer Richtung doch weit ferner stehe als das Christentum, das das Fundament seiner Moral und Sittenlehre aus dem Alten Testament geschöpft habe, und an vielen Aussprüchen der namhaftesten Theologen, darunter insbesondere Harnack's wurde gezeigt, wie diese Erkenntnis sich in der neueren Forschung Bahn gebrochen habe. Den Schluß bildete ein schwungvoller, von Begeisterung für die Sache getragener Appell an die zahlreiche, den ersten jüdischen Gesellschaftskreisen angehörende Zuhörerschaft, das mutvolle, unentwegte Ausharren im Judentume, und die stete Förderung seiner Institutionen als Ehrensache zu betrachten und sich der hohen Kulturmission, die das Judentum bereits erfüllt und die es für spätere Geschlechter noch zu erfüllen berufen ist, stets bewußt zu bleiben. — In Krünn ist ein jüdischer Buch- und Kunstverlag gegründet worden um der vielseitigen Litteratur, welche die jüdisch-nationale Bewegung gezeitigt und dem großen jüdischen Publikum bisher unbekannt geblieben ist. Eingang in die interessierenden Kreise zu verschaffen. In sorgfältig redigierten, gut ausgestatteten und preiswürdigen Ausgaben sollen die Werke der neuen und alten Universallitteratur dem Publikum übergeben werden. Durch Schaffung technisch vollendeter Reproduktionen soll der spezifisch jüdischen