Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 115 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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allein darin seine Begründung, daß das Judentum, wenn auch seine Gleichberechtigung in der Verfassung ausgesprochen ist, in Wirklichkeit auf den verschiedensten Gebieten verkürzt wird. Aber wie in alter Zeit die Juden aus dem ihnen zugefügten Unrecht hieraus eine begeisterte Anhänglichkeit für ihren Glauben geschöpft haben und je mehr man sie verdrängte und verkürzte, sich um so mehr ausdehnten und um so größere Liebe für die Ueberlieferung ihrer Väter hatten, so werden auch wir uns in der Liebe zum deutschen Vaterlande nicht beirren und einengen lassen. Wir werden begeisterte Anhänger und Bürger sein, zugleich aber auch treue Inden, die das Wort ibn Esras zur Wahrheit machen. „Weil wir fürchten nur den Einen, fürchten wir vor allem Keinen." — Im Alter von 56 Jahren starb am 24. März in Wien, wo er sich vorübergehend aufhielt, Herr Dr. Salomo» Mandelkern, ein Gelehrter von internationalem Rufe, der seit Jahrzehnten in Leipzig wirkte. Er studierte in Petersburg (als geborener Russe), wurde Rabbiner in Odessa, wo er auch juristischen Studien oblag und begab sich später nach Leipzig und Jena; an letzterer Universität erwarb er den philosophischen Doktorgrad. Im Jahre 1881 zog er sich ins Privatleben zurück. Mandelkern hatte große Erfolge als neuhebräischer Dichter und Schriftsteller. Auch brachte er das schwere Kunststück fertig, Werke der großen neuzeitlichen Dichter in der Sprache des Alten Testamentes wiederzugeben. Er schrieb eine Geschichte Rußlands und gab anerkannt vortreffliche russische Lehrbücher, Grammatiken und lexikalische Werke heraus. Sein Hauptwerk ist aber die „Hebräisch-chaldäische Konkordanz des Alten Testamentes", ein Werk jahrzehntelangen, minutösesten Gelehrtenfleißes, daS, dem Namen des Autors unvergängliche Erinnerung sichern wird. — Man berichtet: Am 23. März fand im litterarischen Verein in Hoppftädten eine größere Feier statt, an der nicht nur alle dortigen Mitglieder, sondern auch viele Gäste aus den andern Gemeinden deS Fürstentums und den angrenzenden Gemeinden der Rheinprovinz teilnahmen. Denn es war für den Abend ein Bortrag des ehemaligen Landrabbiners Dr. Goldfchmidt» jetzigen Rabbiners in Offenbach a. M., angesetzt. Sein Thema lautete: „Die Poesie der hebräischen Gebete." Selbst eine dichterische Natur, verstand es der Redner den Zuhörern die Schönheit und erbauliche Kraft der hebräischen Gebete aufzuzeigen. Anhaltender Beifall und Dank lohnte den Redner für seinen meisterhaften Vortrag. — Hierauf nahm Herr Landrabbiner Dr. Lewit das Wort zu einem Hoch auf Seine Königliche Hoheit den Großherzog und sprach seine Freude darüber aus, daß der geliebte Landesfürst unter Gottes Beistand im kommenden auch das Fürstentum Birkenfeld mit seinem Besuche beehren und erfreuen werde. Begeistert stimmte die Versammlung in das Hoch ein und sang die Oldenburgische Nationalhymne. Hierauf folgten deklamatorische und musikalische Borträge. Bis in die späte Nacht hinein blieb die ganze Versammlung in fröhlicher Stimmung zusammen. — Eines der ältesten und angesehendsten Mitglieder der Berliner Reformgemeinde, Herr Leopold Winden, der seines hohen Alters wegen aus dem Vorstand