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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-05-01 · Heft 5 (1.5.1902) · p. Seite 114

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 5 (1.5.1902)
Date
1902-05-01
Page
Seite 114 (sequence 18)
Language
German
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^pTT^r^r^r tneinbe in Köln wird geschrieben: Man wähle einen freie», vorurteilslosen Mann, der es als seine vornehmste Aufgabe betrachtet, seine Schutzbefohlenen nicht in einen inneren Konflikt mit dem Leben im Hause zu bringen, der den Kindern keinen Gewissenszwang gegenüber den eigenen Eltern auferlegt, bei denen dann die ersteren nicht beobachtet fänden, was ihnen in der Schule etwa als eine ihrer vornehmsten Pflichten gepredigt würde. Könnte es doch bei einem empfänglichen Gemüt, auf welches der Lehrer großen Einfluß ausübt, Vorkommen, daß das Kind den eigenen Eltern entfremdet wird — sich aus dem Elternhause fortsehnt, nur um in anderer Umgebung die Befriedignng der auf diese Weise in ihm hineingelegten religiösen Bedürfnisse zu finden, welche ihm im Elternhause versagt ist. Vor allem aberdenke man, daß unsere Kinder dereinst die Träger des Kulturlebens im Judentum sein sollen. Um für diese Aufgabe sie fähig zu machen, darf man den Geist der Zeit nicht unterdrücken- Wir sind Deutsche und Juden in einer Person. Als solche können wir uns nicht zerteilen und nicht mit einem Fuße in der Gegenwart mit ihrer hohen Entwickelung stehen und mit dem andern im Altertum, welches allem Neuen gegenüber, und wäre es an sich noch so gut, sich ablehnend verhält, nur weil es neu ist. Man mißverstehe uns nicht! Wir wollen nicht das Alte, weil es alt ist, über Bord werfen. Niemandem können die Lehren unserer Väter, von denen die ganze Welt gelernt hat, heiliger sein als uns, aber wir leben in der Gegenwart, und den Anschauungen der Gegenwart, unseren eigenen Anschauungen, wollen wir das Alte nutzbar machen. Wir können nicht mehr in jedem Sinne so empfinden, wie es unsere Vorfahren gethan. Wie wäre es denn möglich, mit dem Herzen das zu fühlen, was der Geist nicht denkt! — In einer sehr zahlreich besuchten Versammlung des Zentralvereins der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens in Serlin hielt Herr Rabbiner Dr. Weiße einen Vortrag über „jüdische Staatsmänner". Nach der Einleitung, in der er ausführte, daß die Juden sich rückhaltlos und sehr schnell jeder Kultur anschließen, daß sie es an Treue und Dankbarkeit an das Vaterland, in dessen Mitte sie leben, mit Jedem aufnehmen können, wenngleich beides von den Gegnern lebhaft bestritten würde, ging er zum eigentlichen Thema über und gab in interessanter und geistvoller Weise die Biographieen der hervorragendsten Staatsuiänner aus der spanischen Blüteperiode, aus Portugal, der Türkei und anderen Ländern, besonders verweilte er hei den Staatsmännern und Parlamentariern der ueuesten Zeit aus Italien, Frankreich und Deutschland, wie Luzzatti, Cremienx, Begründer der Alliance israelite universelle, Finanzminister Ellstädter, Laster, Loewe, Bamberger u. A. Wir deutsche Juden, so etwa schloß der Redner, schöpfen aus diesem Rückblick das Anrecht auf volle Gleichberechtigung. Wir sind keine Eingewanderten, sondern Eingeborene in Deutschland. Heute haben wir vor allem, um das Judentum zu erhalten, um seine politische Gleichberechtigung zu kämpfen; die wissenschaftlichen Bestrebungen allein vermögen das Judentum nicht zu retten. Daß unsere Gebildeten und unsere Reichen vom Judentum abfallen, hat einzig und

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