Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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■ .,7fV-, ,->*•■■■ „ •T'1—*7'* *■’ i '-"«L n,v.'.- '**■'* P?N> >'. -'- *• - 110 — schild, Königswarter und Bleichröder und ihre verschiedenen, genealogischen Verzweigungen könnten, ohne sich ganz besonders wehe zu thun, eine 4°/» Stiftung von einer Million Mark gründen, um berühmte christliche Gelehrte und Conferenziers für die Abhaltung von Vorträgen aus dem Gebiete jüdischer Geschichte und Literatur zu gewinnen. Ich kann die Herren versichern, daß weder Paul Heyse, noch Eduard von Hartmann, noch Anatole Leroy-Beaulieu, weder P. K. Rosegger noch Professor Wildeboer noch Graf Adalbert Dzieduszycki tausend Francs, Mark oder Gulden zurückweisen werden, besonders da es sich um einen so idealen Zweck handelt wie den unsrigen, d. h. einem neuen Zweige der Wissenschaft in der Gelehrtenrepublik volles Bürgerrecht zu verschaffen. Während die Namen des „Herrn Rabbiners Samuel Oppenheim" oder des „bekannten Schriftstellers Doktor Abraham Pasewalker" eine verhältnismäßig nur geringe Anziehungskraft auf unsere eigenen Glaubensgenossen ausüben und die Herren „von der anderen Seite des Hauses" völlig kühl lassen und die kleinen Lokalblättchen kaum Notiz nehmen von deren Vorträgen, würden die Namen jener berühmten Schriftsteller und Gelehrten die christlichen u n d jüdischen Honoratioren der Gemeinde in den Vortragssaal locken, die großen Blätter der Hauptstädte würden telegraphische Berichte bringen und wenn ein großer Goi, wie Eduard von Hartmann sagt, daß Jehuda Halevi in vielen Stücken seiner Poesie Schiller und Rambam an manchen Stellen seines „Moreh" dem Königsberger Kant überlegen sei, dann müssen der Parneß, seine Frau und Töchter es glauben, ob sie wollen oder nicht. John Bampton (1689 -17hl), ein englicher Geistlicher, hinterließ sein ganzes Vermögen mit der Bestimmung, durch die Zinsen derselben jährlich einen hervorragenden Gelehrten in den Stand zu setzen, einen Vortrag aus dem Gebiete der christlichen Glaubenslehre zu halten und in Druck zu legen. Man lese in Hartes LibiivtüevÄ Theologica die Liste der seit 1870 jährlich gehaltenen Vorträge nach, um sich einen Begriff von deren nachhaltigen Wirkung auf das Geistesleben in England zu bilden. Ist feiner unserer reichen Glaubensgenossen ehrgeizig genug, um die Rolle des jüdischen Bampton zu spielen? Wie ich bereits im Vorhergehenden an verschiedenen Stellen berührt habe, verfolgt meine jüdische Encyklopädie u. A. den Zweck, ein großangelegter, getreuer „Judenspiegel" zu sein. Meine Kollegen und ich wollen das ganze ungeheuere historische, statistische, literarische und bibliographische Material sammeln, um einerseits den Aufbau einer pragmatischen Geschichte der Juden und des Judentums zu ermöglichen, anderseits den christlichen und jüdischen Staatsmännern die literarische Basis zu einer wissenschaftlichen Lösung der Judenfrage zu bieten. Ich habe zur Stunde noch nicht Sokolow's und Buber's auf dem letzten zionistischen Kongresse gehaltene Borträge über die von der Zionistenpartei offiziell anzuregenden und zu subventionirenden Hebräischen Encyklopädie und Hochschule für die Wissenschaft des Judentums gelesen. Aber ich las U. Ginzberg's und R. Brainin's