Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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109 M r^SI über den atlantischen Ocean hinweg folgende Anregung unterbreiten: Füget in Eurem jüdischen Budget eine hübsche, runde Summe für die Subventionirung der ■ in Eurer Stadt existierenden resp. vegetierenden Blätter hinzu — wofern Ihr über- . 1 zeugt seid, daß deren Redakteure und Herausgeber gleich ihren amerikanischen College« „kluge Geschäftsleute n n d gute Jehudim" sind; in diesem Falle könnt > ihr sicher sein, daß die betreffenden Blätter in 5 —6 Jahren auf eigenen Füßen | stehen und Eurer Subvention nicht mehr bedürfen werden, und andererseits daß | Ihr durch Eure 30000— 40.000 Gulden mehr für die jüdischen Interessen gethan \ haben werdet, als wenn Ihr das Doppelte oder Dreifache fiir eine jüdische Blindeni Taubstummenanstalt geopfert hättet. - J Ein anderer Kanal für die eventuelle Verbreitung der Resultate der Wissen- \ schaft der Juden sind die obengenannten „Vereine für jüdische Geschichte 1 und Literatur". Die. europäischen Rabbiner und Schriftsteller, die im Großen 1 und Ganzen glücklich sind, über ein Jahresbudget von 3000 Gulden zu verfügen, j empfinden ein gewisses Mitleid mit dem jüdischen Philanthropen, wenn er jährlich j die doppelte oder dreifache Summe für jüdische Zwecke opfert. Nun, ich bin nicht so naiv und weichherzig, um mit dem wirklich reichen Manne RachmoneS zu \ haben. Während nämlich wir armen Schlucker: Rabbiner, Schriftsteller, Künstler, 1 Handwerker, Beamte, kleine Geschäftsleute das, was wir verdienen, und oft mehr, j für die Deckung unserer und der persönlichen Bedürfnisse unserer Familie verausgaben, spielt das persönliche Budget bei einem Millionär nur eine unbedeutende Rolle: 1 er schießt die Differenz zum Kapital, das in manchen Fällen, oft ohne die Absicht ] des Besitzers desselben, innerhalb eines oder zweier Jahrzehnte eine schwindelnde i Höhe erreicht. Also, eine zweite Empfehlung,, meine lieben jüdischen Millionäre: i Füget in Eurem Jahresbudget noch ein paar tausend Mark, Francs oder Gulden < für Wanderprediger der Wissenschaft des Judentums hinzu. Ihr habt alle höchst» . wahrscheinlich Geschichte auf dem Gymnasium, der Real- und Handelsschule gelernt, und da wißt ihr also, daß in der Entwicklung der Menschheit das Nomadentum , dem Seßhaftwerden vorausgeht. Auf alle Fälle kennt Ihr die Geschichte Eurer j eigenen Familie: Euer Großvater, in vielen Fällen Euer eigener Vater, hatte mit einem Wagen von Markt zu Markt zu wandern, um Eurer Großmutter resp. eigenen Mutter am Freitag die paar Groschen heimzubringen, um Euch, respektive Eure Eltern zu ernähren, zu erziehen und in den Stand zu setzen, auf der Ringstraße, Unter den Linden oder auf dem Pariser Boulevards ein Engrosgeschäft oder glänzendes Bankhaus zu errichten. Bevor König David dem Stiftszelte in seiner Hauptstadt Jerusalem eine bleibende Stelle anwies, hatte sie durch die Wüste zu wandern und mußte in Schiloh und anderen Orten zeitweilige Unterkunft suchen. So wird auch unsere Wissenschaft, die Wissenschaft vom Juden, bevor Akademien. Universitäten und Unterrichtsminister sie in den Bereich der allgemeinen Wissenschaft offiziell aufzunehmen geruhen werden, ein Wanderleben führen müssen. Die drei Häuser Roth-