Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969893-2969899--6597-2975943- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
'< "**rr -s^^-'*" ". / <‘--w’..~» < -.-. ,.!1„fV,r;,-nA’i-wmv»,-! - 107 - I wir daher von unseren Gemeindesekretären und Gemeindevorstehern eine ähnliche Schulung für ihr schwieriges und verantwortungsreiches Amt, wie wir sie von de» Religionsschnllehrern und Rabbinern, den Schochtim und Chasanim für das ihrige verlangen. Wenn sich einige jüdische Professoren der Jurisprudenz die Mühe geben wollten, talmudische Jurisprudenz und jüdische Gemeindeverwaltung zu studieren Uni» .diese Fächer in ihr Vorlesungsprogramm aufzunehmen und die jüdischen stnäiosi } juris den Mut aufraffeu könnten, neben dem römischen und germanischen auch das j jüdische Recht sich „einzukeilen", dann dürfte die nächste jüdische Generation berechtigt i sein auf ihre Gemeindeverwaltung stolz zu sein-? Mit dem Worte: die Judenheit des 20. Jahrhunderts kann, wenn es sein 1 mnß, eventuell auf jüdische Spitäler (als ob es speziell jüdische Krankheiten gäbe, die durch speziell jüdische Methoden zu heilen wären!) und andere jüdisch e Wohlthätigkeitsanstalten verzichten (wenn wir wirklich ein volles Aufgehen der Juden in die umgebenden „Wirtsvölker" anstreben, so müßten wir unbarmherzig unsere Armen und Kranken der allgemeinen städtischen, Landes oder Staats - Philan thropie anheimgeben: gemeinsames Elend ist ein vortreffliches Assimilirungscement, und gleichzeitig würden unsere nicht - jüdischen Mitbürger so mit einem Schlage von dem ungeheuren Reichtum der Juden eine in ihre Säcke tief eingreifende Vorstellung erhalten): wessen wir aber dringend bedürfen, um das jüdische Problem endlich einmal endgiltig und zur allgemeinen Befriedigung zu lösen, das wären Anstalten, wo die Wissenschaft vom Juden systematisch vorgetragen würde, um dann von dort aus durch die verschiedenen Kanäle in das christliche und jüdische Bewußtsein befördert zu werden. Dr. Gustav Karpeles und seine Freunde haben durch die Begründung der hundert „Vereine für jüdische Geschichte und Literatur" mehr für die Judenheit und die Lösung der Judenfrage gethan, als hundert Philanthropen durch die Erbauung hundert jüdischer Spitäler, jüdischer Waisen- und Altersversorgungsanstalten. Ich gehe nicht so weit als Nordau und Zangwill im Angriffe unserer Plutokraten: ferne ist es in der That von mir, unsere jüdischen Millionäre mit Schimpf und Spott bedecken zu wollen. Was jedoch ich und wir alle, denen die Interessen des jüdischen Volkes (Pardon! unserer „Glaubensgenossen") auf dem Herzen liegen, von jenen Herren zu verlangen das Recht haben, ist, daß sie einen Tag in der Woche der Lösung des jüdischen Problems in allen seinen zahlreichen Verzweigungen widmen, und das im Interesse ihrer Stammesbrüder, im Interesse der Menschheit und Menschlichkeit, endlich in ihrem eigenen und im Interesse ihrer Kinder und Kindeskinder. Da es der ausschließliche Zweck dieses Essays ist, meinen europäischen Brüdern einige Anregungen zu geben und man es mir, dem vielbeschäftigten Manne, nicht verargen wird, wenn ich hierbei einige statistische und literarische Kunstregeln