Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 106 — blättern, von der Kanzel nnd Rednertribüne herab angegriffen. Ich schwieg damals und muß noch heute schweigen, denn eines der wichtigsten Principien der militärischen und politischen Strategie ist, sich zunächst über den psychologisch richtigen Zeitpunkt zum Losschlagen klar zu werden, dann aber mit aller Wucht d'rein zu hauen. . . . Doch, um auf unsere Seminarien zurückzukommen und nur einige berufene Kritiker derselben aus dem letzten Jahre zu citiren: Haben nicht Bacher und Ziegler (a. a. O.), Karpeles und Jacob aus Göttingen, (ib. Nr. 50 und 52), . Männer, die selbst an Seminarien studirt haben, teilweise an solchen lehren und denen man sicherlich keine Antipathien gegen diese Anstalten vorwerfen kann, zugegeben, daß unsere heutigen theologischen Hochschulen nicht die adäquaten Pflegestätten der Wissenschaft des Judentums seien uub nicht sein können? Max Nordau hat in seiner staatsmännischen Programmrede auf dem letzten Zionistencongresse nicht mit Unrecht die jüdische Sociologie und Statistik in den Vordergrund seiner Betrachtungen gestellt. Er faßt die gründliche Ausbildung und Pflege dieser beiden Wissenszweige als die unumgängliche Basis für die wissenschaftliche Lösung der Judenfrage auf. Bisher hat aber kein Seminar, keine „Hochschule" oder „Lehranstalt" für die Wissenschaft des Judentums auch nur daran gedacht, in den Bereich der letzteren Sociologie und Statistik einzubeziehen. Die „Jewish Encyclopedia“ hat auch hier die Bahn gewiesen, indem sie der politischen Oekonomie des Juden das Bürgerrecht der jüdischen Wissenschaft eingeräumt hat. - 88 11 und 12 unserer ersten Hauptabteilung (Ilistory, Biography and Sociology) lauten in der That: Anthropology: Biostatics, Measurements: Morbidity of Jews with special reference to their liability to, or immunity from particular diseases: questions of purity of race. Sociology: Statistics of Jewish communities, occupations of Jews. number of artisans and agricullturists, social condition and criminology, Das Studium dieser beiden Sektionen der jüdischen Wissenschaft dürfte besonders für künftige Beamte, Gemeinderäte und Präsidenten unserer jüdischen Gemeinde von großem Nutzen sein. Ist es nicht gerade zu komisch, daß der erste beste Zuckerfabrikant, Schnittwarenhändler oder Bankdirektor — sofern er nur ein sehr vermögender Mann ist — sich für fähig hält und von seinen nur den Geldsack anbetenden Glaubensbrüder für fähig gehalten wird, eine jüdische Gemeinde, groß oder klein, unter den gegenwärtigen schwierigen Verhältnissen würdig und nützlich zu verwalten? Haben wir doch den freien Mut, unseren christlichen Mitbürgern und uns selbst zu gestehen, daß es etwas mehr und etwas anderes als religiöse Gemeinschaft ist, (der jüdische Professor der Naturgeschichte und der hyperorthodoxe Hausierer: Glaubensbrüder!!!), das z. B. im vorigen Jahre die bunt zusammengewürfelten Häuflein Juden in Havana, Manila und Honolulu zur Bildung jüdischer Gemeinden getrieben hat, und verlangen