Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 105 — mehr als der olympische Zeus mit dem Wallen seiner Locken, mit dem Zucken seiner Brauen, die Welt auf Jahrhunderte erschütterte." Dr. Duschak in Brünn („Die Moral der Evangelien und des Talmud," Brünn 1877) vergleicht die Thaten und Worte Jesu mit solchen, die der Talmud von Juden berichten und Lehren läßt, uni daraus die Uebereinstimmung beider zu folgern. Beide, so führt er aus, dringen auf Geistigkeit in der Religion, und Jesus müsse darum gerühmt werden, weil er es mit so großem Nachdruck gethan habe. Daun wird jedoch hinzugefügt: „Seine in der Bergpredigt enthaltenen Lehren find für den einzelnen nicht genug zu loben; aber sie sind nicht geeignet, als Prinzipien, als Fundamente, als allgemeine Normen aufgestellt zu werden." Ein besonderer Mangel in Jesu Lehre sei, daß er Glaubenslehre und Sittenlehre getrennt habe, während im Judentum beide unzertrennbar verbunden seien. Die jüdische Renaissance in Amerika. Bon Dr. Isidor Singer. . (Fortsetzung.) Die Judenheit des 20. Jahrhunderts bedarf einer neuen Kategorie geistiger, politischer und socialer Führer. Der heutige und künftige Rabbiner soll, Dank seiner tiefen Kenntnis der jüdischen Literatur, der beredte und berufene Ausleger der jüdischen Vergangenheit und der zielbewußte und energische Pionier der Zukunft unseres Volkes, unserer Rasse oder — wenn nran vor diesen Benennungen feige zurückschrickt — unserer Glaubensbrüder sein. Als ich kurz nach meiner New-Iorker Banquettrede (21. Mai 1901) das ideale Lehrprogramm der „University of Jewish Theology, History and Literature" in den politischen Tagesblättern und als Anfang zu meiner Broschüre „A historic Jewish Banquet in the City of New-York" veröffentlichte, da schracken manche ängstliche Geister von dem weitumfassenden Charakter meines Lectionskataloges zurück: „Vergleichende Homiletik» vergleichende Religionsgeschichte, Geschichte der jüdischen Liturgie, die jüdischen Quellen des Neuen Testaments, Einfluß der arabischen Philosophie auf die Geistesentwicklung der Juden im Mittelalter, Talmudische Jurisprudenz, Neuhebräische Literatur, Leben und Schriften der hervorragendsten deutschen Rabbiner des 17. und 18. Jahrhunderts, Geschichte der russischen Juden des 10. Jahrhunderts. Philosophisch - historisches, homiletisches, pädagogisches Seminar; die englische, deutsche, russische und hebräische Sprache als Unterrichtssprachen; Zulaffung christlicher Theologen, Juristen und Philologen rc..?!" Man riß hier und in Europa Mund und Augen auf; die wenigsten verstanden gründlich, was ich anftrebe: ich wurde in den TageS-und jüdischen Wochen-