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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-05-01 · Heft 5 (1.5.1902) · p. Seite 103

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 5 (1.5.1902)
Date
1902-05-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 ■y -- - —^ .,*- , Advokat Dr. Wachtel (s. Westdeutsches Missionsblatt 1900, S. 80) nennt in einem Vortrage über Moral und Recht Jesum den göttlichen Stifter des Christentums, der gesagt hat: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt," und daß unter „gut" nichts Irdisches, sondern Himmlisches, der Seelenfriede u. s. w, zu verstehen sei. Die Forderung, eine neue Stellung zur Person Jesu einzunehmen, wird von anderen besonders dadurch begründet, daß auf diese Weise erst die Juden ihre Aufgabe in der Welt auszuführen im stände seien. So Karl Hillel (Die Versöhnung des Judentums mit dem Christentum, Frankfurt a. M. 1899). Dieser dringt darauf, daß die Juden sich mit den Christen verbinden, um diese von den Zusätzen, welche sie zur jüdischen Lehre gemacht hätten, zu befreien und so die Zeit des größten Fortschritts in der Welt herbeizuführen. Der Vorwurf, daß Jesus von seinen Zeitgenossen schnöde verkannt worden sei, müsse als durchaus unberechtigt zurückgewiesen werden; dagegen verkennten und ignorierten ihn die Juden unserer Zeit. Jesus selbst, wird ausgeführt, wollte nicht der Sohn Gottes, sondern Menschensohn sein. Er hat ganz und gar dem Judentum angehört und ist als Freund und Vertreter des Judentums gefallen, dessen Reform er als eine ihm von Gott zugewiesene Mission betrachtete. Er hat das Verhältnis zu Gott als das eines liebenden Sohnes zu einem liebenden Vater und die Liebe der Menschen zu einander als daS einzige Mittel um Gottes Wohlgefallen zu erwerben, dargestellt, und über der Anerkennung, daß das die Bedeutung der Person Jesu, des (nach Mose) größten Glaubenshelden der Juden, sei, sollten sich nun Juden und Christen mit einander vertragen. Manchen Juden, die Jesum in einem günstigen Lichte betrachten, drängt sich sogar die Notwendigkeit auf, mit der Christenheit in eine noch engere Verbindung zu treten. Man fordert hierzu aber gern unter Verschweigung des eigenen NamenS auf. Ein Beispiel dafür ist die Broschüre „Warum treten wir nicht in das Christentum ein? Von einem Juden" (2. Aust.» Leipzig 1883). Der Verfasser empfiehlt den Uebertritt und stützt dies damit, daß im Grunde das Christentum nur ein reformatorisches Judentum sei. „Jesus und Paulus haben das Judentum von dem Joch des Ceremonialgesetzes befreit und die Offenbarung des Alten Testamentes berichtigt und ergänzt." Er schließt mit den Worten, welche er das jüdische Volk in der Gestalt eines sterbenden Greises sagen läßt: „Jesus mein Heil." Aber diese« Jesus ist auch ihm nur ein Mensch freien, wohlgesinnten, lichthellen Gemütes, still, sanft, liebreich, verzeihend. In neuester Zeit hat besonders Benedictus Levita (Rechtsanwalt Weisler in Halle) durch einen Artikel: „Die Erlösung des Judentums" (Preussische Jahrbücher, Okt. 1900, S. 131), großes Aufsehen unter den Juden und Christen erregt. Ganz ähnlich wie seiner Zeit David Friedländer in seinem Sendschreiben an Probst Teller (Berlin 1799) bekennt er, daß es für die Juden unmöglich sei,

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