Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 102 — als den König des weltlichen, israelitischen, Davidischen Reiches. Jesus war aber doch über die nicht strafbare Verkündigung von Lehren hinausgegangen. Er hatte den Tempelbesuchern im Vorhofe der Heiden den Umsturz bestehender Institutionen befohlen und einen festlichen Einzug als Messias in Jerusalem gehalten, wodurch die Furcht vor dem Einschreiten der römischen Herrscher erweckt werden mußte. So wurde denn znr Anklage geschritten. Eine Verurteilung Jesu zum Tode wegen seiner Aussprüche und früheren Handlungen konnte nach dem jüdischen Gesetze nicht ausgesprochen werden, nur eine Auslieferung an die römische Behörde konnte stattfinden, und diese geschah durch die Priesterfamilie und ihren Anhang, die als feige Römlinge bekannt waren Darauf wurden Jesus als Volksaufwiegler nach dem römischen Gesetz zum Tode verurteilt. Dem jüdische» Volke, das die Auslieferung Jesu an Pilatus als Verrat an der nationalen Sache der Inden angesehen hätte, wurde vorgebracht, Jesus müßte wegen Gotteslästerung sterben. Die Berichte der Evangelien aber über den Tod Jesu sind völlig unzuverlässig." Ganz ähnlich Rabbiner I)r. E. Grüubaum (Die Sittenlehre des Judentums. Straßburg 1878, S. 238—308): „Jesus stand mit den Pharisäern in völliger Uebereinstimmung, was Glaubens- und Sittenlehre betrifft, bis auf den Punkt, daß er sich für den Messias hielt." Er habe nur ihre Erweiterungen des Gesetzes bekämpft und sei durch die Priester aus Eigennutz bei Pilatus wegen politischer Verbrechen verklagt worden, der ihn aus diesem Grunde kreuzigen ließ. Rabbiner vr. Porges in Leipzig schreibt:* „Die Thatsache, daß Jesus ein Jude war, sollte in unfern Augen, meine ich, der Anerkennung seiner hohen Bedeutung mehr förderlich als hinderlich sein, und es ist mir völlig unbegreiflich, warum ein Jude anders von Jesu als mit der höchsten Achtung denken und sprechen sollte; obgleich wir als Juden den Glauben an seinen Charakter als Messias und seine Gottmenschheit mit der äußersten Energie und aus innerster Ueberzeugung ablehnen." Ebenso Dr. Adolf Brüll in Frankfurt a. M., Herausgeber der Populärwisfenschaftl. Monatsblätter: „Verflossene Jahrhunderte und die widerwärtige antisemitische Bewegung in unserer Zeit ändern an der Thatsache nichts, daß Jesus eine hohe Lehre öffentlich verkündigt hat, die sich in voller Uereinstimmung mit dem Judentum befindet und die das Christentum erst völlig in sich ausgenommen haben muß, ehe es in Wahrheit die Religion Christi genannt werden kann." Der bekannte Gelehrte Professor M. Lazarus: „Ich bin der Meinung, .daß wir uns mit allem Eifer bemühen sollten ein wirkliches Verständnis für die große Persönlichkeit Jesu zu gewinnen, und daß wir ihn ganz entschieden für das Judentum in Anspruch nehmen sollen." "Die Aeußerungen von Porges, Brüll, Lazarus aus Trusting and Toiling, Sept. 1901.