Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 95 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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95 zu dessen ehrendem Andenken; Frau Generalkonsul Max Goldschmidt v. Rothschild spendete 1000 Mark. Die Einnahmen betragen ca. 23,000, die Ausgaben ca. 22,000 Mark. — Professor Dr. Salomon Jadassohn, der bekannte Komponist und Musiktheoretiker, langjähriger Lehrer am Leipziger Konservatorium, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Jadassohn war Schüler von Liszt und Hauptmann. Letzterem hat er, namentlich als Theoretiker, das meiste zu danken. Seine theoretischen Werke („Harmonielehre", „Contrapunkt", „Canon und Fuge", „Die Formen in den Werken der Tonkunst" u. a.) werden ihre Bedeutung auch über seinen Tod hinaus behalten, vielleicht auch die eine oder andere seiner Konipositionen- Ein Neuerer ist Jadassohn als Tonschöpfer oder als Musikpädagoge nicht gewesen. Seine Kompositionen sind durchweg sehr formgerecht, oft auch recht gefällig. Der gefeierte Komponist erfreute sich in weiten Kreisen eines hohen Ansehens. So wird es an Leidtragenden in der Musikwelt nicht fehlen; all die vielen Schüler und Schülerinnen werden den Tod ihres greisen Meisters aufrichtig beklagen. — Am 26. Februar hielt Herr Ar. Mach aus Brüx in Prag einen Vortrag über „Maimonides und Mendelssohn in ihrer Bedeutung für die Zukunft des Judentums". Der Redner ging in der Einleitung davon aus, daß man jeder Religion, die auf sittlicher Basis ruhe, Achtung entgegen bringen müsse. Dies dürfe aber keineswegs hindern, die Vorzüge der eigenen Religion zu beleuchten. Zu diesen Vorzügen der jüdischen Religion, wodurch sie eine große Bedeutung für die Zukunft hat, gehört vor allem die Glaubens- und Gewissensfreiheit. An den beiden jüdischen Geisteshelden Maimonides und Mendelssohn zeigt nun der Redner, wie das Judentum keinen blinden Glauben kenne, sondern einen Glauben, der auf Ueberzeugung beruht. Nach der jüdischen Religion könne jeder Mensch selig werden, ob er auch nicht dem Judentum angehört, wenn er nur die Gesetze der Menschlichkeit beobachtet. Das Judentum sei stets ein Freund und Förderer der allgemeinen Wissenschaft gewesen, im Judentum konnte niemals ein Hexen- oder Teufelsglauben Platz greifen, das Judentum lege auf Wundererzählungen keinen Wert, und so sei gerade die jüdische Religion diejenige, die sich am meisten mit deni berühmten Worte Mommsens von der voraussetzungslosen Wissenschaft vertrage. Der hier nur kurz skizzierte Bortrag war reich an geistvollen und aktuellen Wendungen, welche auf die Zuhörer eine sichtliche Wirkung ausübten. — Im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" in Wien hielt Herr Wolf Pappenheim einen Bortrag über „Rabbi Moses Sofer und seine Zeit". Der Vortragende griff bis in die früheste Jugend des Chaßam Sofer zurück; er erwähnte den Einfluß seiner Jugendbitdner und Lehrer, der Rabbiner N. Adler und Hurwitz, die bestimmend und gestaltend auf seinen späteren lichtvollen Lebensweg gewirkt. Mit meisterhaftem Geschick zeichnete er die Stufenleiter der Ruhmesepoche R. Moses Sofer's, deren erste Sprosse mit der mährischen Gemeinde Straßnitz begann, welche ihn, der ursprünglich gar nicht die Absicht hatte, sich dem Rabbinerstande zu