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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-04-01 · Heft 4 (1.4.1902) · p. Seite 87

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 4 (1.4.1902)
Date
1902-04-01
Page
Seite 87 (sequence 17)
Language
German
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E m W wird, die gebildeten Griechen seien gleich zu Anfang den Juden feindlich gesinnt gewesen. Wir besitzen genügend Zeugnisse von Philosophen der nacharistotelischen; Zeit, welche bekunden, daß diese griechischen Freidenker, welche, wenn auch noch nicht praktisch, so doch theoretisch mit der Vokksreligion gebrochen hatten, in der rein geistigen Gottesverehrung der Juden etwas ihrem Denken Verwandtes erblickten. Theophras, ein Schüler des Aristoteles, nennt die Juden ein Volk von Philosophen, das sich bei Tag von der Gottheit unterhält, bei Nacht die Sterne betrachtet. Klearch erzählt von seinem Lehrer Aristoteles, dieser sei während seines Aufenthaltes in Kleinasien mit einem Juden zusammengetroffen, der ihm dem Wesen und der Sprache nach als Grieche erschienen und dessen Weisheit er bewundert habe. Hekateus aus Abdera erzählt in seiner ägyptischen Geschichte, daß in Ägypten einstmals eine pestartige Krankheit geherrscht und das Volk habe die Ursache derselben dem Zorne der Götter zugeschrieben, weil im Lande viele Fremde lebten, die besondere Religionsgebräuche befolgten. Um von ihren Leiden befreit zu werden, hätten die Ägypter die Fremden ausgetrieben. Der größte Theil dieser Ausgewiesenen habe sich nach Judäa gewandt. An der Spitze dieser Ansiedler stand Moses, welcher ebenso ausgezeichnet durch Weisheit wie durch Mut war. Er ergriff Besitz von dem Lande und gründete mehrere Städte- In dieser Darstellung des Hekateus besitzen wir die älteste ägyptische Erzählung von« Auszuge aus Ägypten, allerdings vom ägyptischen Standpunkte beurteilt. Dagegen hat ein ägyptischer Priester, Manetho, einer gehässigen und feindseligen Stimmung gegen die Juden Ausdruck verliehen. Er hat ein gelehrtes Werk über die ägyptische Geschichte in griechischer Sprache verfaßt, von welchem größere Bruchstücke uns erhalte» sind, die aber sehr verschiedenrn Charakter tragen. Während das erstere dieser Bruchstücke keine Veranlassung zu Zweifeln giebt, das sein Inhalt, wie Manetho vorgiebt, aus den ägyptischen heiligen Urkunden selbst geschöpft ist, will das Letztere gar nicht als urkundliche Geschichte gelten, sondern giebt nach dem Geständnisse Manetho's nur die über die Juden im Umlauf befindlichen Legenden wieder. Die Angriffe gegen die Juden richten sich nicht gegen die Charaktereigenschaften der Juden, sondern gegen ihre geschichtliche Vergangenheit. Ein Jahrhundert später stimmen auch Hellenen in diese Tonart ein, indem sie die üble Nachrede Manethos vergrößert und mit Verleumdungen vermehrt in Pamphleten weiter verbreiten. So der berühmte Geschichtsschreiber und Philosoph Posidonius, 130 bis 55, der in Rhodus wirkte, wo ebenfalls eine blühende jüdische Gemeinde war. Haß und Neid, die ihn erfüllten, ließen ihn die schönen Lehren seiner stoischen Lebensregel vergessen und brachten ihn dahin, zu den alexandrinischen Lügen noch die ebenso lächerliche wie boshafte Fabel hinzuzufügen, daß die Juden im Allerheiligsten ihres Tempels einen Esel verehrten. Alle diese Erfindungen nahm dann der Redner Apollonius, der gleichfalls in Rhodus wirkte (ca. 75 v. Chr.), als Thatsachen auf und verbreitete sie in einer eigens über die Juden verfaßten Schrift.

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