Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 86 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 86 r- Gesetzes und Belesenheit in den heiligen Schriften und deren Auslegung nach damaliger Auffassung und Erklärnngsweise in den rabbinischen Schriften. In seinen reiferen Jahren machten die Vorträge des Johannes auf ihn einen tieferen Eindruck, und da mag der Gedanke zu einer ähnlichen Thätigkeit in erweiterter, neuer Gestalt zu einem Entschlüsse bei ihm herangereift sein. (Fortsetzung folgt.) in ■m 1 «i rM H f '<% I M Mi Hlrteite über Juden und Judentum bei griechischen und römischen Schriftstellern. Über dieses Thema sprach im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur Hanlbnrg Herr S. Berlin. Der Redner führte etwa Folgendes aus: Die Geschichte des jüdischen Volkes in der Periode des zweiten Tempels ist darin eigenartig, daß sie sich nicht auf die Juden Palästinas allein beschränkt, sondern auch auf die außerhalb Palästinas angesiedelten jüdischen Gemeinden erstreckt. Diese AuS- .H breitung des jüdischen Stammes über immer weitere Teile der Erde bezeichnet man mit dem griechischen Namen „Diaspora," hebräisch „Goluth," und diese letztere M Bezeichnung weist auf die Besonderheit hin, die diese jüdischen Ansiedelungen vom W anderen, beispielsweise den phönizischen und hellenischen unterscheidet. Es waren a' größtenteils unfreiwillige Auswanderungen, zu denen die Juden durch daS harte ’m Kriegsrecht jener Zeiten genötigt wurden, denen dann viele Freiwillige, durch den/M Wandertrieb und durch Handelsbeziehungen hervorgernfen, sich angeschlossen haben. zÄ Die Berührung des Judentums mit den Griechen und Römern, als den hervorragendsten Kulturvölkern des Altertums, ist die am längsten andauernde und jj'ji darum auch folgenreichste gewesen, und hat viele Spuren in der Literatur zurückgelassen.; Die uns erhaltenen Urteile griechischer Schriftsteller führen uns zurück auf die Zeit Alexanders des Großen. Dieser Held erwies sich auch den Juden freundlich. In Folge großer Vergünstigungen besonders durch das ihnen gewährte Recht, in Vf| allen Teilen seines Reiches nngehindert nach ihren Gesetzen leben zu dürfen, wurden M sie angeregt, ihre Ansiedelungen iminer weiter über den Westen auszudehnen. Dem Prinzip Alexanders folgten auch seine Nachfolger. Gleich ihm hat auch der erste Ptvlomäer eine große Zahl jüdischer Bewohner Palästinas in Ägypten angesiedelt, ebenso verfnhren die Seleuciden in Syrien. Anch an jeueu zahlreichen, noch in den \>Ä darauf folgenden Generationen andauernden griechischen Städtegründungen haben die Juden einen hervorragenden Anteil gehabt. Die Thatsache, daß die Machthaber, ’^S bei der Hellenisierung des Orients gerade die Juden berufen haben, beweist schon M zur Genüge, daß die durch das jüdische Gesetz hergestellte religiöse und gesellschaftliche Schranke bei den Griechen keine Abneigung gegen die Juden hervorgerufen hat. Dies bestätigt auch die Literatur. Es ist ein entschiedener Irrtum, wenn behauptet H