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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-04-01 · Heft 4 (1.4.1902) · p. Seite 84

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 4 (1.4.1902)
Date
1902-04-01
Page
Seite 84 (sequence 14)
Language
German
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Obwohl Jesus sich aber Das ist ein Rätsel, das wohl nie gelöst werden kann. -. als Messias vor seinen Jüngern bekannte, nennt er sich doch nie Messias, sondern $ Menschensohn und Gottessohn. Ob er den Ausdruck Gottessohn bildlich für Messias!$j oder im eigentlichen Wortsinn genonimen wissen wollte, darüber hat er sich nie erjfj klärt, selbst später nicht, als er wegen desselben zum Verhör geladen und dafür > verurteilt wurde. Er hatte aber, als er sich von seinen Jüngern als Messias anerkennen ließ, ihnen Geheimhaltung empfohlen; die Zeit, es zu veröffentlichen, sei noch nicht da, werde aber kommen. Doch es wurde kundig. Dadurch wurde die öffentliche Meinung gegen ihn eingenommen. Man erwartete von ihm Zeichen und Beweise seiner Messianität, die er nicht geben konnte, und er wich den Fragen aus. Viele Anhänger fielen ab. Wollte er sich seinen Jüngern gegenüber keine Blöße geben, so mußte er etwas thun, um sein Werk zu krönen oder dabei unterzugehen. So entschloß er sich, nach Jerusalem zu gehen. Das Volk soll ihn im Triumph M unter Hosiannahgesängen nach Jerusalem geleitet, aber einige Tage später seinen Tod verlangt haben. Das eine wie das andere ist wohl erdichtet. Die ganze Geschichte seiner letzten Zeit ist in so undurchdringliches Dunkel gehüllt, daß man die sagenhaften Ausschmückungen und Ergänzungen gar nicht verkennen kann. Seine 'M Lehren und sein Auftreten ließen wohl den Mittelstand und besonders die Angesehenen'M der Nation kalt gegen ihn, und er hat wohl keine freundliche Aufnahme in Jerusalem M gefunden; aber man konnte ihm deswegen nichts anhaben, wenn er nicht allgemein anerkannte Religionsgesetze übertrat oder gegen den Gottesbegriff des Judentums M verstieß. Und eben an diesem Punkte bot Jesus dem Angriff eine schwache SeiteM dar. Man hörte, daß er sich als Gottes Sohn bezeichnet hatte. Er wurde des-M halb ergriffen und vor das Synedrinm geführt, die Anklage lautete auf Gottes-W lästernng. Auf seine Antwort, die er deshalb dem Hohenpriester gab: „Du sagst VM es," wurde er als Gotteslästerer verurteilt. Aus der Erzählung der christlichen }Ml Grundquellen läßt sich nicht erkennen, ob die Richter nach dem damals giltigeniA peinlichen Gesetz ihn ungerecht verurteilten; der Schein war gegen ihn, und er wurde W gekreuzigt. Das war das Ende des Mannes, der an der sittlichen Besserung seines M Volkes gearbeitet und vielleicht das Opfer eines Mißverständnisses geworden war. H Millionen gebrochener Herzen und Augen haben seinen Tod noch nicht abgebüßt." M So Grätz. Bon anderen jüdischen Geschichtsschreibern sei erwähnt S. Bäck, Die r/, Geschichte des jüdischen Volkes und seine Literatur, Lissa 1877, S. 134, der sich, ganz ähnlich äußert: „Ein Jünger, der sich dem Johannes und seinem Orden angeschlossen, war Jesus, der Sohn des Josef und der Maria aus Nazareth. Auch er war von der Sehnsucht nach einer Veränderung der bestehenden Verhältniffe v'J erfüllt; auch er meinte, daß dieselbe bald durch die Ankunft des verheißenen Messias herbeigeführt werden müsse. Sein Wesen war aber ein anderes als das seine- Lehrers Johannes. Er besaß die Sanftmut und Demut des hochverehrten Lehrer-

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