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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-04-01 · Heft 4 (1.4.1902) · p. Seite 83

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 4 (1.4.1902)
Date
1902-04-01
Page
Seite 83 (sequence 13)
Language
German
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83 M m m m m )/ j. y <r, I M ' ft / I: gebrandmarkt behandelt wurden. Er fühlt in sich den Beruf, die verlorenen Schafe des Hauses Israels zu retten - gewiß ein hoher, edler Beruf! Von dieser hohen Auf- \ gäbe ganz erfüllt, trat Jesus zuerst in seiner Geburtsstadt Nazareth auf, wurde aber dort schimpflich behandelt. An anderen Orten hatte er besseren Erfolg. Er; wußte die Sünder und Zöllner, die verwahrlosten und unsittlichen Geschöpfe durch Wort und Beispiel zu sich selbst zu erheben, ihren Sinn mit Liebe zu Gott zu erfüllen, ihre Herzen durch Innigkeit und Heiligkeit zu veredeln, ihren Lebenswandel durch die Aussicht, in das Himmelreich einzugehn, zu bessern, und das war das größte Wunder, das er vollbracht hat/ Die Sage, welche seine moralischen Wunder in handgreifliche umgewandelt hat, hat ihn daniit nur verkleinert. An dem bestehenden Judentum rüttelte er keineswegs. Er wollte nicht im entferntesten den ' Gottesbegriff des Judentums modeln oder gar ihn abschwächen. Das Gesetz wollte er nicht auflösen, sondern erfüllen; nur gegen die Schammaische Sabbathsstrenge eiferte er. Er stand so ganz im Judentum, daß er sogar die Beschränktheit der damaligen Zeit teilte, die Heidenwelt gründlich zu verachten; er wollte mit den Heiden nichts zu thun haben, die Perle den Säuen nicht vorwerfen. Er wollte keine neue Offenbarung bringen, keinen neuen Bund stiften, sondern die vorhandenen religiösen und sittlichen Elemente als Samenkörner in solche Herzen streuen, die bis dahin brach gelegen hatten. Sein Verdienst besteht vorzüglich darin, und es ist nicht gering anzuschlagen, daß er die Vorschriften des Judentums verinnerlichte, sie mit Herz und Gemüt auffaßte, das Verhältnis der Israeliten zu ihrem Gott als Kinder zu ihrem Vater nachdrücklich betonte, die Brüderlichkeit der Menschen scharf hervorhob, die Sittengesetze in den Vordergrund gestellt wissen wollte und endlich diese Lehre von der Gottinnigkeit und Heiligkeit entsittlichten Geschöpfen zugänglich machte. . . . Aber mit eine nachhaltige Begeisterung in dumpf- und stumpfsinnigen Volksklassen zu erwecken und von ihnen als ein außergewöhnliches Wesen verehrt zu werden» dazu bedurfte es wohl eines außerordentlichen und die Einbildungskraft der Massen gefangennehmenden Vorgangs. Diesen brachten seine Wunder hervor; denn es ist gewiß, daß Jesus die Krankheit, welche man damals Besessenheit nannte, durch Berührung, Beschwörung oder sonst ein Mittel geheilt . hat, und dadurch schien er ihnen ein Gottesmann zu sein, dessen bloßes Wort magisch wirkte und dem Wunder zu thun eine Kleinigkeit sei. So und durch seinen vertrauten Verkehr mit Leuten, die er zu Teilnehmern am Himmelreich erziehen wollte, gewann er stets zahlreichere Anhänger. Endlich eröffnete Jesus eines Tages seinem engsten Jüngerkreise das Ziel, den Mittelpunkt aller seiner Gedanken, das in seiner Brust verschlossene Geheimnis, bei Caesarea Philippi: seine Messianität. Das war die in geheimnisvolles Dunkel gehüllte Geburtsstunde des Christentums. Hatte Jesus von Anfang seines Auftretens an diesen Gedanken in tiefster Seele genährt? Oder war ihm der Gedanke erst aufgestoßen, als durch die glücklichen Erfolge des gewonneuen Anhangs die Möglichkeit der Verwirklichung näher gerückt schien?

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