Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 78 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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78 und daß anderseits ein Gelehrter aus der heimatlichen Wiener Schule — Schechter war am Leth Hamidrasch Schüler I. H. Weiß' und Meier Friedmann's — dazu berufen wurde, die zweite Säule der jüdischen Wissenschaft auf amerikanischem Boden zu errichten. Die Mittel- und Hauptsäule, eine Akademie der Wissenschaft des Judentums, wird als eine natürliche Fortentwicklung der Encyklopädie und der Hochschule in einem von hiesigen maßgebenden Kreisen bereits jetzt in Aussicht genommenen Zeitpunkte errichtet werden. Vor mehr als zwei Jahren hatte ich Professor Wilhelm Bacher und durch ihn dem Budapester Gelehrtenkreise einen detaillirten Plan für eine solche Akademie unterbreitet (Arbeitsprogramm; die Namen der ersten 40 jüdischen „Unsterblichen" rc.): meine Universitätsidee war die Tochter des Akademiegedankens . . . Wenden wir nun unsere Blicke nach Cincinnati, das durch den großen Reformator und Organisator Dr. Isaak M. W i s e zum geistigen Mittelpunkte der Judenheit des westlichen Teiles der Vereinigten Staaten geworden war. Wise war ein Idealist, ein Schwärmer; dabei aber auch ein praktischer Mann — allerdings nur sofern es sich um seine vier Liebliiigsschöpfungen: den „Amerikan Israelite", lange Zeit das maßgebende jüdische Organ Amerikas, die „Union of Amerikan Hebrew Congregations" (Verband der Israelitischen Reformgemeinden der Vereinigten Staaten), das „Hebrew Union College" endlich die „Central Conference of Amerikan Rabbi’s" (Verband der amerikanischen Reformrabbiner) gehandelt hatte; denn er selbst war sein Leben lang unbesoldeter Präsident und Professor des Hebrew Union College, gab so lange er nur einen Groschen in der Tasche hatte, und erst wenn's damit zu Ende war, appellierte er an Freunde und Fremde. Er war, gleich Zadok Kahn, dem Oberrabbiner von Frankreich, stolz darauf, zu den erfolgreichsten „Generalschnorrern" der internationalen Judenheit gezählt zu werden. Den reichen und wohlhabenden Juden des Westens (er wurde oft scherzhaft der „jüdische Pabst westlich von den Alleghenygebirgen" genannt) war es einfach unmöglich, diesem liebenswürdigen, alten Herrn „Nein" zu sagen. Er war der erste, der mich 1897, als ich noch in meinem bescheidenen provisorischen Bureau in der New-Chamber-Street arbeitete, privatim und öffentlich ermutigte, bei meinem Encyklopädieplane zu verharren, (doch Brainin a. a. O. irrt sich, wenn er behauptet, Isaak M. Wise wäre der „ehrliche Makler" zwischen der Funk & Wagnalls Company und mir gewesen), und deshalb ist es mir eine große Befriedigung, hier zum erstenmale seinein Namen den ihm gebührenden Tribut zu zollen. Sollten jedoch etwa Wise's begeisterte Anhänger, seine eigenen Schüler und persönlichen zahlreichen Freunde so bald nach dessen Tode die Ehrenschuld vergessen haben, die sie den Begründer und Vater des Hebrew Union College schulduen? Alea jacta est. Dank der Generosität einiger jüdischer Mäcene New-Iorks ist das dortige konservative „Jewish Theological Seminary" (der Name der y<\ 'k