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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-04-01 · Heft 4 (1.4.1902) · p. Seite 77

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 4 (1.4.1902)
Date
1902-04-01
Page
Seite 77 (sequence 7)
Language
German
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77 Außerdem erklärte sich Jakob H. Schiff bereit, in der Nähe der Columbia- University auf seine Kosten der jüdischen Wissenschaft einen herrlichen Tempel zu errichten — der Bau hat bereits begonnen — und gleichzeitig wurden die nötigen Schritte gethan, um in naher Zukunft ei» Grundkapital von 1000000 Dollars (vier Millionen Mark) für die neue Anstalt aufzubringen. Dieser Jakob H Schiff, ein geborener Frankfurter und eine der edelsten jüdischen Gestalten der Gegenwart, ist nicht blos einer der Finanzkönige der Vereinigten Staaten, sondern auch ein tiefer Kenner der jüdischen Geschichte und Litteratur. Er überläßt am Sabbath sein Riesenbankhaus seinen Beamten, um den Vormittag im Tempel, den Rest des Sabbaths und den folgenden Sonntag fast ausschließlich den Angelegenheiten des Judentums zu widmen. Unsere jüdischen Francs- oder Mark-Millionäre drüben in Europa, deren Geschäftskapital in vielen Fällen geringer sein dürfte als das zweijährige Wohlthätigkeitsbudget Schiff's, sollten sich diesen Mann zum Muster nehmen. Ein die hiesigen Verhältnisse so recht charakterisierendes kleines Ereignis mag hier gleichsam in Parenthese eingeschoben werden. Am 30. Jänner dieses Jahres fand die Jahresversammlung der American Jewish Historical Society im Sitzungssaal des Temple Emanuel statt. Diese vor zehn Jahren von Cyrus Adler und einigen andern jüdischen und christlichen Gelehrten in's Leben gerufene Gesellschaft hat den Zweck. Material für die Geschichte der Juden Amerikas zu sammeln. Das Wetter an jenem Tage war ein höchst ungünstiges; außer den Mitgliedern des Präsidiums (Cyrus Adler, Präsident; Dr. Friedenwald und Max I. Köhler sSohn des Rabbiners), Sekretäre; Professor Richard Gottheil, Schatzmeister; die Professoren Morris Jastrow und I. H. Holländer, Mitglieder des Executiv-Comitees) waren kaum zwei Dutzend Zuhörer da; (die vorgetragenen historischen Essays sind gelehrter Natur und interessieren das große Publikum recht wenig). Aber Schiff, dessen Vermögen auf mehr als 100 Millionen Mark geschätzt wird, saß rückwärts in einem Winkel und neben ihm saß. ebenso bescheiden, Oskar S. Straus, der Mann, der zweimal Botschafter der Vereinigten Staaten am türkischen Hofe war und eine der politischen und gesellschaftlichen Koryphäen des Continentes ist. Diese großen Herren, echt demokratisch, kommen 'und gehen unangemeldet, drücken dem armen Gelehrten oder Journalisten, wenn sie ihn persönlich kennen, die Hand und zeigen durch ihr ganzes Benehmen, daß sie glücklich sind, die Bestrebungen der jungen Historiker zu ermutigen, welche sich die Erforschung der Geschichte der Juden Amerikas zur Lebensaufgabe gestellt haben. Um nun auf die unter Anderem mit einer überaus reichen Spezial-Bibliothek auszustattende Schiff-Lewisohn-Guggenheim'sche Hochschule für die Wissenschaft des Judentums zurückzukommen, so mag es mir hier wohl erlaubt sein, meiner doppelten Genugthuung darüber Ausdruck zu verleihen, daß einerseits sich mein Ideal, wenigstens in dessen Hauptlinien, schneller als ich selbst gehofft, verwirklichen werde

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