Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 75 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Schaar von Ame-ha-Arez, rhetorischer Effekthascher, aufgeblasener Streber und gewissenloser Dollarjäger herab, sondern man begann die Köpfe zu schütteln und frug sich allmälig in vollem Ernste, ob nicht gar etwa die jüdische Renaissance in dem barbarischen Lande der Jankers wirklich ins Leben treten würde. Die gelehrten Herren drüben in Europa, katalogisierten, kompilierten und redigierten alte Handschriften, Notizen und Recensionen, während (1881—1901) ungefähr 500000 russischer, rumänischer, galizianischer, ungarischer Juden den atlantischen Ozean durchfurchten, in ihrem armseligen Gepäck und besonders in ihren Köpfen und Herzen Bibel uud Talmud, den Moreh Nebuchim und Joreh Deah mit sich führend. Hunderte von „Maßkilim", die Humanisten der, russischen Judenheit, waren unter den Einwanderern: arm an Dollars, aber reich an Wissen und glühend für die Interessen des Judentums, legten sie, schier unbewußt, den Grund zur Wiederbelebung der jüdischen Wissenschaft in der westlichen Hemisphäre. Das einzige Verdienst, das ich persönlich für mich in Anspruch zu nehmen das Recht habe, ist, den richtigen Zeitpunkt erfaßt und mit meiner ganzen Energie und Begeisterung die zerstreuten Elemente der gelehrten jüdischen Sippschaft aus aller Herren Ländern um den Riesenbau der jüdischen Enryklopädie gruppiert zu haben. Professor Wilhelm Bacher hat mir die große Ehre erwiesen, mich in seinem glänzenden Artikel über „Eine Hochschule für die Wissenschaft des Judentunis in Amerika" (Allgemeine Zeitung des Judentums, 9. August 1901, vergleiche Nr. 35 und Brainin's Artikel in Hador Nr. 36) mit „den kühnen Konquistadoren des XVI. Jahrhunderts" zu vergleichen. Lange vor mir jedoch war eine zahlreiche Schaar edler und begeisterter jüdischer Seefahrer ans allen Teilen Europas über denselben atlantischen Ozean gezogen, um in dem jungen Riesenkontinente die Keime zu einer neuen, gigantischen Saat auszustreuen: die Baiern Leo Merzbacher, (geb. 1809, gest. in New-Iork 1856), Max Lilienthal (geb. 1815, gest. in Cincinnati 1882), David Einhorn (geb. 1819, gest. in New-Iork 1879) und die noch heute unter den Lebenden wandelnden Bernhard Felsenthal, (geb. 1822, lebt in Chicago und feierte in körperlicher und geistiger Frische vor einigen Wochen seinen 80. Geburtstag) und Kaufmann Köhler, (geb. 1843, Rabbiner des Tenaple Beth-El in New-Iork und Chef des theologisch-philosophischen Departments der Jüdischen Enryklopädie), die Ungarn Benjamin Szold, (geb. 1830, war lange Jahre Rabbiner in Baltimore und lebt daselbst, umgeben von der Achtung und Liebe seiner jüdischen und christlichen Mitbürger), Adolph Hübsch, (geb. 1830, gest. in New-Iork 1884) und der bereits erwähnte Alexander K o h u t, (geb. 1837, gest. in New-Iork 1894;) die Oesterreicher Jsaac M. Wise (geb. 1819, gest. 1900 in Cincinnati) und Gotthard Deutsch (geb. 1850; wirkt mit glänzendem Erfolge als Professor am Cincinnatier Hebrew Union College, als Conferencier und Journalist, und wird hier wegen seines tiefen, ausgebreiteten Wissens und scharfen Witzes bewundert — und gefürchtet); der Hesse: Samuel Adler (geb. 1818,