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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-03-01 · Heft 3 (1.3.1902) · p. Seite 71

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 3 (1.3.1902)
Date
1902-03-01
Page
Seite 71 (sequence 23)
Language
German
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~~W^Trrrrr—nrrr- ■ ■ 7- - '-“■ *' ■*.r > * * t. r- / ■-••*-•;. - v - *•.«*■ <- - — 71 — wuchs und wuchs und ist heute wohl eines der größten Unternehmungen dieser Art. Es hat Agenten und Einzelvertreter in allen Teilen der Erde, von denen es Nachrichten empfängt und denen es solche liefert, ferner Agenturen an allen größeren Plätzen Deutschlands, die das Depeschenmaterial in ihrem Kreise an die Abonnenten abgeben. — In der „Zeitschrift für Bücherfreunde" bespricht Oberbibliothekar Dr. Adolf Schmidt von Darmstadt einige „interessante Bucheinbände der großherzoglichen Hof-Bibliothek in Darmstadt", von denen einer dadurch ein höheres Interesse beansprucht, daß er ein , überaus werthvolles hebräisches Manuskript einschließt. Es ist dies eine durch bildlichen Schmuck ausgezeichnete Peßach-Hagada, der ein höheres Alter zugeschrieben werden muß, als den wenigen bisher bekannten Hagadas gleicher Art. Eine große Anzahl farbenreicher Initialen und Randleisten mit Ornamenten, Menschen- und Thiergestalten, schmücken den Text. Dazu kommen die Bilder aus dem jüdischen Leben. Auf den beiden letzten Blättern stellen zwei große Miniaturen eine Hirschjagd und einen Jungbrunnen dar. Dieses Bad dürfte die älteste Darstellung des bei mittelalterlichen Dichtern und Schriftstellern oft erwähnten Jungbrunnens sein. Ein thurmartiger Aufbau mit offenen Seiten schließt das Bild, ein dem zwei Wasserspeier mit Thierköpfen das Wasser zuführen. Während Männer und Weiber in dem Bade herumplätschern, naht ein Krüppel mit der. Krücke dem Thore, an dem ein Pförtner mit dem Stabe Wache hält. Alle dargestellten Gegenstände sind von hohem kulturgeschichtlichen Werthe, so daß eine genaue Untersuchung der Bilder-' durch einen fachmännischen Archäologen sich wohl lohnen würde. Wie es scheint, gehört diese Hagada zu den Büchern, die im Jahre 1381 den Juden entrissen worden sind. Auf welche Weise sie in die Darmstädter Hof-Bibliothek gekommen ist, hat sich nicht ermitteln lassen. — Der Protest Mommsens gegen die Besetzung der Lehrstühle nach konfessionellen Rücksichten wird von Herrn Rabbiner Dr. Jacob in Göttingen wie folgt ergänzt: Aber bei aller Hochachtung gegen den großen Mann und seine gelehrte Gefolgschaft wird es gestattet sein, ihre Erklärung von einem Standpunkt zu ergänzen, der bisher noch garnicht zur Geltung gekommen ist: vom Standpunkt des Judentums. Von diesem Standpunkt erklären wir rund heraus: . Juden und Judentum gegenüber ist all das hochtönende Gerede von Freiheit und Konfessionslosigkeit der Wissenschaft eine Form. Es ist landkundig, daß es für einen jüdischen Gelehrten, und wäre er der erste in seinem Fache, auf vielen Gebieten der Wissenschaft, auch solchen, die zu der Konfession des Forschers in Verbindung zu bringen, selbst dem allerchristlichsten Glaubenseifer nicht gelingen dürfte, namentlich in Preußeu mit den allergrößten Schwierigkeiten verknüpft, ja meist geradezu unmöglich ist, ordentlicher Professor zu werden. Was hat z. Bdie medizinische Wissenschaft mit der Konfession zn thun? Aber es ist allbekannt, daß gerade an der Berliner Universität, von der der Protest ausgegangen ist, jüdische Mediziner von Weltruf jahrzehntelang auf eine Beförderung zum ordentlichen Professor warten und so lange warten können, bis sie — Christen werden, ja ganze Fakultäten

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