Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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■ ’ >f •?7f.-s' *■ . - ‘ ’>*' - * .-'■' - 70 - der Hand zahlreicher allgemein verständlicher Beispiele näher einging. Der Vortrag fand bei den zahlreichen Anwesenden, sowohl seiner glänzenden Form als auch wegen seines von gediegenem Wissen zeigenden Inhalts lang anhaltenden, stürmischen Beifall. — Herr Salomon Kevy schreibt: Ich habe jüngst in einem Artikel dieser Blätter dargethan, daß die Babylonier (Chaldäer) die Lehrer der semitischen Völker waren. Heute steht es fest, daß ihr Lehrkreis sich auch noch auf ganz andere Völkerschaften erstreckte. Es ist wissenschaftlich festgestellt, daß Theorien, welche das Babylonien des 4. und 3. vorchristlichen Jahrhunderts entwickelt hat, sich bei den Slaven des 12. nachchristlichen Jahrhunderts wiederfinden, in einer Zeit, wo die altorientalische Kultur seit zwei Jahrtausenden unter ihren Ruinenhügeln schlief; wie man sich die Wanderungen gar zu den Völkern der „neuen Welt" denken soll, wo noch in unfern Tagen Legenden gesammelt werden, für welche der gleiche Ursprung nicht bezweifelt werden kann: die Erklärung, die Feststellung des Weges und der Mittel der Entlehnung ist uns vor der Hand versagt, die Thatsache selbst steht fest .... das muß vorausgeschickt werden, um die Bedeutung zu veranschaulichen, welche die Kenntnis gerade der babylonischen Kultur für eine geschichtliche Auffassung des Entwickelungsgangs der Menschheit hat. Wenn die Weltanschauung aller Völker, welche überhaupt angefangen haben, sich Rechenschaft über ihr und ihrer Umgebung Dasein zu geben, von der babylonischen berührt worden ist, so kommen wir schließlich dazu, überhaupt nur zwei Weltanschauungen zu unterscheiden, welche die Menschheit in ihrer geschichtlichen Entwicklung kennt, die altbabylonische und die moderne, empirisch naturalistische, welche erst in der Entwickelung begriffen ist. Bei der babylonischen Weltanschauung waren die Gestirne die Verkünder des göttlichen Willens. Koperikus und Keppler haben diese Anschauungen gestürzt und die späteren Forschungs Resultate zum Alleinherrscher gemacht. Hugo Winckler's Werk: Himmels- und Weltenbild der Babylonier hat mir eine Anregung zu diesen Bemerkungen gegeben. — In dem modernen Zeitungswesen bewährte sich als Pionier einer epochemachenden Neuerung der Begründer des weltbekannten Wolff'schen Telegraphenbureans Dr. B. Wolfs. Er hat durch sein telegraphisches Correspondenzbureau wohl mit den entscheidensten Einfluß auf die mächtige Entwickelung des Nachrichtendienstes der modernen Zeitung ausgeübt. Sein so großes bedeutungsvolles Werk entstammt, ursprünglich einer rein praktischen Erwägung. Wolf war Ende der 1840er Jahre Besitzer der Berliner „National- Zeituug". Um den Nachrichtendienst seines Blattes weniger kostspielig zu gestalte», kam er auf die Idee, die seinem Blatte zugehenden Meldungen an andere Zeitungen weiterzugeben und so entstand 1849 das Wolff'sche Telegraphen-Bureau. Bis zum Jahre 1865 hatte es bereits eine solche Entwickelung genommen, daß es zunächst in eine Commanditgesellschaft und 1874 in eine Aktiengesellschaft verwandelt wurde unter der Firuia „Continental-Telegraphen-Compagnie". An der Spitzedieser Unternehmung blieb bis zum Ende der 70er Jahre Dr. Wolff. Die Institution