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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-03-01 · Heft 3 (1.3.1902) · p. Seite 72

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 3 (1.3.1902)
Date
1902-03-01
Page
Seite 72 (sequence 24)
Language
German
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prinzipiell „judenrein" gehalten werden. Denn es ist ebenso bekannt, daß die Taufe! den Juden mit einem Schlage anstellungsfähig macht. Weniger bekannt oder schon i wieder vergessen ist es aber, daßgerade Professor Mommsen es gewesen ist, der in j den achtziger Jahren, am Beginn der antisemitischen Bewegung, den Juden diesen! Schritt angeraten hat. Wie zugestanden werden muß und von einem Mommsen I nicht anders erwartet werden kann, in der wohlmeinendsten Absicht. Da doch für?! den gebildeten Juden das Judentum ebenso ein überwundener Standpunkt sei wie! für den gebildeten Christen sein Christentum, so sei der Übertritt lediglich eine äußeres Form, die der Majorität und dem Vorurteil zugestandeu werden müsse. Die hefst tigsten Pamphlete seiner Feinde haben dem Judentum nicht ärgeren Schaden gethanR als dieser Aufsatz Mommsens. Nur zu eifrig wurde sein Rat befolgt. Seitdem s besteht ein nicht geringer Teil der deutschen Professoren aus getauften Juden, die'j beizeiten den klugen Schritt .gethan, der sie an das Ziel ihrer Wünsche brachte,! freilich um den Preis einer That, die ihre männliche nnd wissenschaftliche Ehre auf keinen Fall gehoben hat. Umso rühmlicher ist die charaktervolle Haltung jener ss Männer, die keine Verlockung in der Treue gegen die Glaubens- und Stammesgemeinschast, in der Treue gegen sich selbst wankend macht, denen ihre Würde nicht' um Würden feil ist. Die maßgebenden Stellen können unmöglich so harmlos fein,;| nicht zu wissen, was auf das frischgebackene Christentum jener strebsamen Gläubigen^ zu geben ist, die ihr Herz gerade in dem Augenblick entdeckten, als es von Vorteils .war, aber nian hält es für geraten, sich zu stellen, als wenn man es nicht wüßte.; Indem man mit dieser Haltung, entsprechend dem Verhalten in allen Zweigen der; Verwaltung, einerseits „Strömungen in weiten Kreisen der Bevölkerung" entgegenkommt, befördert man auf der anderen Seite eine verächtliche Heuchelei und erzieht I geradezu zur Lüge. Die mehr oder weniger systematische Ausschließung des Juden; von der akademischen Carriere und Beförderung des Getauften, die Bestrafung der? Glaubenstreue und Belohnung des Abfalls, das ist die Konfessionslosigkeit der reinen! freien Wissenschaft in Deutschland. Hier ist ein ganz anderes Material zur Entrüstung als der vereinzelte Fall Spahn. . . Ein Jude kann also, so sehr er über; die Freiheit der Wissenschaft schwärmen mag, sich über den Fall nicht sonderlich, erregen. Die Behandlung seiner Person, seiner Religion, seiner Wissenschaft zeigt! ihm zu oft, daß mau deu Spahn im fremden Auge sieht, aber nicht den Balkens im eigenen. Anhalt: Ritualmord und Eid. — „Babel und Bibel". — Das altjüdische Schulwesen. —! Die Prinzipien der jüdischen Ethik. — Die zehn Thesen des Central-Vereins deutscher i 'Staatsbürger jüdischen Glaubens gegen den Antisemitismus. — „Herr, sende wens du willst!" — An Ludwig Jakobowski. — Moses kein Jude! — Monatsschau. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber vr. Adolf Brüll; in Kommission für den! Buchhandel bei Franz Benjamin Aussarth; Druck von H. L. Brünner's Druckerei^ (F: W- Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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