Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 68 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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68 jüdischer Männer mit 150,000 Mk. unter dem Namen „Sußmann-Una'sches Vermächtnis" zu Frankfurt a. M. begründeten Stiftung auf Grund der Statuten vom 18. Oktober 1901 die Genehmigung erteilt. — Abermals ist der Stadt Frankfurt a. W. eine große Summe für wohlthätige und gemeinnützige Zwecke gestiftet worden. Herr Max B. H. Goldschmidt machte jüngst dem Herrn Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. die Mitteilung, daß seine Frau — die zweite Tochter des BaronS Wilhelm v. Rothschild — zum Andenken an ihren Vater» der am 25. Jan. 1901 gestorben ist, der Stadt eine Schenkung von einer Million Mark überweise. — Im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" hielt jüngst in Königsberg Herr Dr. Koppe vor einem sehr zahlreichen Auditorium einen interessanten Vortrag über „Sterblichkeit und Krankheiten bei Juden und Nichtjuden." Der Vortrag gründete sich im Wesentlichen auf die Erfahrungen, die Referent in seiner langjährigen nervenärztlichen Praxis erworben hat und deckt sich zum Teil mit einem Aufsatz, der vor einiger Zeit aus seiner Feder in der „Medicin. Wochenschr." erschienen. Die Thatsache, daß das Judenthum sich durch Jahrtausende fast unverändert erhalten, stehe fast ohne Analogon in der Geschichte da. Die Lebenskraft des Judenthums trete denn auch in einer wesentlich geringeren Sterblichkeit und Krankheitsneigung in die Erscheinung. An der Hand eines ganz anßerordentlich umfangreichen statistischen Materials wies Redner nach, daß die Mortalität bei Juden oft bis 50 Prozent geringer sei als bei Nichtjuden. Die durchschnittliche Lebensdauer ist demgemäß z. B für Frankfurt a. M. bei den Nichtjuden auf 36 Jahre, bei den. Juden auf 4SaU Jahre berechnet. Die geringere Mortalität der Juden hat sich namentlich auch stets bei Epidemien gezeigt, und die Thatsache, daß sie unter der Pest und der Cholera wenig oder gar nicht zu leiden hatten, hat im Mittelalter jenes bekannte und folgenschwere Märchen von den Brunnenvergiftungen gezeitigt. Ebenso ist die Disposition der Juden zu Tuberkulose schwächer. Dagegen muß die Erscheinung auffallen, daß die Juden procentualiter erheblich mehr zu Nerven- und Geisteskrankheiten incliniren als die Nichtjuden, und das gleiche ist gegenüber Blindheit, Kurzsichtigkeit u. s. w. der Fall. Die seltene Erscheinung der männlichen Hysterie ist bisher fast ausschließlich bei Juden, speziell russischen Juden, festgestellt, wogegen Epilepsie und Paralyse wieder unter den Juden verhältnißmäßig seltener Vorkommen als bei Christen. Die geringere Krankheitsneigung und Sterblichkeit, namentlich auch Kindersterblichkeit bei den Juden erklärt der Vortragende nicht etwa, wie von anderer Seite vielfach behauptet wurde, aus der größeren Wohlhabenheit der Juden — dagegen spricht vor allem, daß die gleichen Erscheinungen auch bei den unter den ungünstigsten socialen und hygienischen Verhältnissen lebenden russischen und polnischen Juden beobachtet wurden, — als vielmehr aus der historischen Thatsache, daß die Juden von heute ein Produkt jahrhundertelanger „Auslese" darstellen, die unsägliche Leiden überstanden haben, und ferner aus der notorischen Mäßigkeit der Juden und ihrem innigeren Familienleben, wodurch die großen, in ihren Wirkungen unberechen-