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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-03-01 · Heft 3 (1.3.1902) · p. Seite 67

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 3 (1.3.1902)
Date
1902-03-01
Page
Seite 67 (sequence 19)
Language
German
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67 „Wenn man Moses von diesem Standpunkte aus beurteilt, dann begreift man, daß der Bibelleser Oliver Cromwell an Moses' Vorbild der große englische Staatsmann geworden ist! Man lese und staune über die Unwissenheit des Volkes in Bezug auf einen der gewaltigsten Männer, die jemals auf Erden gelebt haben." Herr Born „beweist" zwar nicht, daß Moses kein Jude ist, nichtsdestoweniger erzählt er, er habe in einer Eingabe den Oberkirchenrat zu Berlin aufgefordert zn veranlassen, „daß in Bezug auf Moses und seine Gesetzgebung die Lehre aufgehoben wird, daß Moses ein Jude gewesen ist und seine Gesetze aus dem jüdischen Volke hervorgegangen sind." Herr Ingenieur W. Born müssen wir der Inkonsequenz zeihen. Der Oberkirchenrat soll doch einfach gegen den historischen Schwindel Front machen, daß es überhaupt Juden gegeben hat. Moses war keiner, Josua — auch den lobt Herr Born — gewiß auch nicht, und ihr Volk auch nicht. Bis jetzt ist keine Aussicht vorhanden, daß der Oberkirchenrat die alten Juden für Teutonen und die alte Bibel für eine Edda erklärt. Wonatsschau. Der „Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Geineinde in Kerlin" hat auf die Bearbeitung der besten Schrift über das „Wesen des Judenthums" einen Preis von 1000 Mark ausgesetzt. — Im Central-Berein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt Herr Rabbiner Dr. Werner-München einen Vortrag über „Spinoza in Wahrheit und Dichtung." In der Lehre Spinozas, welche der Redner eingehend schilderte, befindet sich vieles das sich unverkennbar auf jüdischen Ursprung zurückführen läßt. In unseren großen Dichtern, einem Lessing. Herder Goethe, hat die Philosophie Spinozas hauptsächlich um ihres auf den Zusammenhang des Ganzen als Weltorganismus gerichteten Blickes aufrichtige Bewunderer gefunden, nachdem sie zu Beginn nur einen kleinen Kreis von holländischen Verehrern um sich geschaart hatte. Die schönsten Stellen be3 „Faust" klingen deutlich an Gedanken dieses gewaltigen Geisteshelden an, dessen Lehre auch den jnngen Bismarck, wie er selbst in seinen „Erinnerungen" zugesteht, in ihren Bann gezogen hatte. Der Redner schloß, daß Spinoza zwar heute vielfach überholt jsei, daß die Juden aber mit berechtigtem Stolze den großen Philosophen als aus ihrer Mitte hervorgegangen bezeichnen könnten. — Die Bibliothek der jüdischen Gemeinde zu Herlin, Oranienburger Straße 60/63, die gegenwärtig mehr als 5000 Bände (3000 Judaica und 2000 Hebraica) enthält, wurde am 3. Februar eröffnet. — Der König hat, wie im Frankfurter Amtsblatt bekannt gegeben wird, durch Erlaß vom 12. Dezember 1901 der von dem verstorbenen Privatmann Sußmann-Una nach dem Inhalt des Testaments vom 18. Juni 1893 zur Unterstützung alter bedürftiger,

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