Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 65 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 65 — Und jauchzet Moses nicht auf? Ist er nicht ganz sofortige Bereitwilligkeit, brennender Eifer? „Herr, sende wen du willst!" — Also schlägt auch in der Brust eines Moses das arme unsichere Menschenherz, das, wo es etwas wirklich Göttliches trifft, zurückschrickt und feige schlüpfen will in seinen kleinen Alltag, um daraus hervor wieder zu jammern nach Gott. Geschehen soll das Werk. Ja! — Aber durch ihn? Nein! Moses zagt sich heraus zu wagen auf das Meer des göttlichen Geschehens, sein Fuß sucht Halt am Erdenland. Mit einem Heer Soldaten wäre er ausgezogen, mit dem Stab Gottes allein fürchtet er sich. Gerade wie wir. Wie Großes wollten wir, emporgetragen von Flügeln heldenstarker Begeisterung! Und wenn der graue Tag der Wirklichkeit anbrach, wo war die Heldenstärke, der Gottesmut? — Zerflattert wie Dunst im Winde! Was wir für unser Bestes hielten und für echt, es war oft nichts als Kinderei. Wo Gott allein unser Rückhalt sein soll, kommt die Angst über uns. Unsere Zuversicht ist ein sicheres Einkommen, nicht die Fürsorge Gottes. — Aber Gott ließ den Moses nicht los, ob dieser sich wand wie das Wild in des Jägers Schlinge. Zu sehr hatte er schon seinem Gott vorher Macht über sich gegeben in der Stille. Er war in Gottes Gewalt. — Da gab Moses nach. Er ging und erfuhr es auf dem Wege heiliger Pflichterfüllung: „Es wächst der Mensch mit seinen größern Zwecken." Und auch wir kennen Gottes Gewalt. Nicht nur die äußere, die in Sturm und Streben kommt und davor wir zittern, sondern auch die innere, davor wir uns beugen im Gewissen als vor der gottgewollten Pflicht. Laßt uns ihr nicht entlaufen, daß wir fern von ihr mit unserm Leben nicht verkümmern. Sondern Gott nachgeben laßt uns und durch Dienen Herren werden unseres Lebens! Philipp!. An Ludwig Aakoborvski. Im Schoß der Erde Liegst Du gebettet, Friedlich. . . . still, Und dich umfangen Dämmernde Schatten des Todes. Früh sankst Du hin, Ach allzu früh! Drum stimm' ich höher die Klage. Denn an der Grenze,