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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-03-01 · Heft 3 (1.3.1902) · p. Seite 64

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 3 (1.3.1902)
Date
1902-03-01
Page
Seite 64 (sequence 16)
Language
German
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64 3. Die Übung der jüdischen Religion und ihrer Sittenlehre widerspricht in keinem Punkte den sittlichen Grundsätzen des modernen Staates; Geheimlehren kennt das Judentum nicht: also ist es Rechtens, die Juden den Bekennern der christlichen Religion in staatsbürgerlicher und gesellschaftlicher Beziehung gleichzustellen. 4. Der Antisemitismus verletzt das Grundgebot der Nächstenliebe, das der christlichen und jüdischen Religion gemeinsam ist. 5. Der Antisemitismus urteilt und handelt durch Haß geblendet; er geht vom Recht zur Rechtslosigkeit und führt zum Anarchismus. 6. Wer den Antisemitismus fördert, macht sich zum Mitschuldigen seines frevelhaften Treibens, wer ihn bekämpft tritt für Ehre und Wohl seines Vaterlandes ein. 7. Den Glauben seiner Väter hochzuhalten, ist Ehrensache; das gilt in gleicher Weise für Juden wie für Christen. 8. So wenig die Gesammtheit der Christen verantwortlich ist für Verstöße einzelner gegen Staats» und Sittengesetz, so wenig kann das Judentum die Ausschreitungen einzelner Israeliten hindern oder verantworten. Jeder Jude weiß, daß ein eingewurzeltes Vorurteil für seine Fehler die Gesammtheit seiner Glaubensgenossen zur Rechenschaft zieht, und daß es ihm deshalb mehr als jedem anderen Volksgenossen obliegt, Selbstachtung und Selbstzucht zu üben. 9. Nur die Zusammenfassung aller im deutschen Volke vorhandenen sittlichen und geistigen Kräfte hat Deutschland zur Einheit und Größe geführt. Diese Güter zu wahren, ist Pflicht jedes Patrioten. 10. Niemand darf zurückgewiesen werden, der für das Vaterland Gut und Blut, geistigen und sittlichen Besitz einsetzt, mag er Jude oder Christ, arischer oder semitischer Abstammung sein. Höher als alles steht das Vaterland; das Heil des Vaterlandes aber beruht auf Gerechtigkeit. „Kerr, sende wen du willst!“ 2. Mos. 4, 13. Und nun will Moses nicht!- Ist das zu verstehen? Was er mit glühender Sehnsucht herbeigerufen, die Rettung seines Volkes, sie soll nun werden! Helle Gottestage der Freiheit sollen aufgehen über dem armen, geplagten Haufen, und seine Peiniger sollen die Faust Jehovas im Nacken spüren. Und er ist auserwählt, ein Mensch und doch ein Bote Gottes. Der arme Hirtenstecken in seiner Hand wandelt sich in das weise Szepter des Allgewaltigen. Diesen soll er nahen als ein Engel der Barmherzigkeit, jenen um Pharao mit dem Zorn Gottes im Auge: So spricht der Herr!

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