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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-03-01 · Heft 3 (1.3.1902) · p. Seite 62

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 3 (1.3.1902)
Date
1902-03-01
Page
Seite 62 (sequence 14)
Language
German
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62 Gedanken des Einen als des Bildners aller Naturgebilde der Begriff des Weltganzen sich allmählich entwickelt hat. Auch ohne alle religiöse Beziehung, unter der logischen Leitung der Idee von der Gotteseinheit steigt der Begriff der Welteinheit empor; der Sinn erweitert, der Blick erhebt, der Gedanke klärt sich, die engen Schranken fallen, die Trennung verschwindet. Und so hören wir denn auch bereits Melchisedek im Segen Abrahams, Moses in seinem erhabenen Abschiedsgesange und Jesaias in seiner großen Strafrede Himmel und Erde zusammen als Zeugen anrufen, und die Psalmisten entwerfen Bilder des Universums von einer Großheit und Einheit, die nicht ihresgleichen hat. Gegenüber den vielfachen Vorwürfen, daß es in der jüdischen Sittenlehre in der Hauptsache auf eine peinliche Befolgung lediglich äußerer Vorschriften und Verhaltungsmaßregeln ankomme, die den eigentlichen Geist und die maßgebende Gesinnung gar nicht berührten, konstatiert Lazarus, daß umgekehrt das ausschlaggebende Ideal alles Thuns eine die ganze Persönlichkeit von Grund aus umwandelnde Heiligkeit sei, die in einem unausgesetzten Streben nach sittlicher Läuterung und Vervollkommnung bestehe. Der Wille des Menschen müsse vor allem eine durchdringende Umwandlung erleiden, ganz und gar von der hohen Idee des Guten erfüllt sein, wenn die einzelnen Handlungen im schärfsten Sinne des Wortes auf das Prädikat des sittlich Untadeligen Anspruch erheben dürfen, schon deshalb, weil Gott selbst das absolute Ideal der Heiligkeit und Vollkommenheit in sich darstelle. Auf der anderen Seite wird aber nicht nur eine augenblickliche Gemütserregung gefordert, die vielleicht nur zu oft im wirklichen Leben stärkeren Proben und Versuchungen gegenüber versagt, sondern eine dauernde Bethätigung des sittlichen Geistes, eine bewußte, pflichtmäßige Erfüllung der einzelnen ethischen Vorschriften und des höchsten Gesetzes selber, wodurch der Einzelne sich in den Dienst allgemeiner Ideen stellt. Darum wird, wie Lazarus folgert, die Erkenntnis des Gesetzes und seine Erfüllung von allen vorzüglicheren Geistern des Judentums als das Höchste gepriesen; mit der Thora, den Propheten und den Psalmisten wetteifern darin die Rabbiner. Die Psalmen sind dafür besonders lehrreich; sie fallen in die Periode der bedeutendsten ethischen Entwicklung des Volkes; unerschöpflich in dem Bestreben, das Gesetz zu verherrlichen, bieten sie immer hundert Aussprüche über die allgemeine Gesetzlichkeit überhaupt gegen einen, der von einem besonderen Gesetze oder von einem besonderen Lebenszwecke handelt. Die wahre und wahrhafte ethische Bedeutung dieses Übergewichtes des geistigen und moralischen Elementes der Gesetzlichkeit in der Volkseinheit offenbart sich darin, daß zwar die Bande der Natur dadurch befestigt werden, aber dennoch zugleich ihre Schranke aufgehoben wird. Indem das Gesetz als das gleiche nicht bloß für den Eingeborenen und Stammesverwandten, sondern auch für den Beisassen und den Fremdling erklärt wird, durchbricht es die Scheidewände der Natur, stellt es die menschliche Gesellschaft auf einen anderen, auf einen tieferen und festeren Grund. Alle schöpferische Thätigkeit in der Natur besteht darin, aus den gegebenen Elementen und elemen«

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