Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969893-2969897--6542-2975886- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
58 Einseitigkeit der jüdischen Schule sicherte ihr die Concentration der Lehrtätigkeit, sie übte ihren Einfluß auf die Gesinnung und erzog fürs Leben, sie sollte den Lernenden mit den Gedanken der Gotteserkenntnis, der Tugend, der Pflichttreue erfüllen. Das Studium der Thora, so wird gelehrt, erhält erst dadurch seine wahre Bedeutung, daß es. zur Ausübung guter Thaten anspornt. Das altjüdische Schulwesen in der Zeit von Esra bis zum Abschluß des Talmud hat das jüdische Volk umgestaltet und entscheidend eingewirkt. Während sich die Loslösung von den äußeren Bedingungen nationalen Daseins vollzog, gewann das Volk im Studium der Lehre eine geistige Heimat, an der es mit jenem Enthusiasmus und jener Opserwilligkeit hing, welche sonst die Begeisterung für das Vaterland verleiht. Unter den geänderten Culturverhältnissen müssen wir doch an diesem großen Ziele festhalten, uns die Kenntnis der heiligen Schriften bewahren und sie Allen zugänglich machen. Redner schloß den interessanten sehr beifällig aufgenommenen Vortrag mit den Worten: »Die Gesellschaft, in Folge deren Veranstaltung ich hier spreche, ist eine Institution, welche den Geist des Judentums lebendig zu erhalten und das Gefühl des Zusammenhanges mit der Jahrtausende alten Geschichte zum lebendigen Ausdruck zu bringen sucht. Wenn ich das altjüdische Schulwesen zum Gegenstände meiner Betrachtung wählte, so glaube ich zur Erreichung dieser Aufgabe mein Scherflein beigetragen zu haben " Die Prinzipien -er jüdischen Ethik, mit besonderer Rücksicht aus Mor. Lazarus „Die Ethik des Judentums". Bon Prof. Dr. Thomas Acheles, Bremen. Es bedarf bei einem so weitausschauenden Thema, wie dem vorliegenden, wohl keiner besonderen Begründung, wenn wir uns auf die Charakteristik besonders eigenartiger Züge und Elemente der jüdischen Moral beschränken und uns auf keine irgendwie detaillierte Erörterung von Einzelheiten einlassen dürfen; jede Polemik und Kontroverse ist selbstredend vollends ausgeschlossen. Sodann setzt unsere Betrachtung jenen Umstand von vornherein voraus, dessen Bedeutung man sich gleich zu Anfang klar machen muß, nämlich die Thatsache, daß wir trotz allem Wandel der Zeiten und Unterschiede in der persönlichen Auffassung doch eine gewisse unerschütterliche gemeinsame Basis der jüdischen Slttenlehre konstatieren können. Die Verschiedenheit der Zeiten, die Besonderheit der Umstände, die Trennung der individuellen Personen, erklärt der feinsinnige Denker Mor. Lazarus, dem wir uns im Vorstehenden anschließen, tritt weit zurück hinter der siegreiche», gestaltungskräftigen, einheitlichen Fortbildung des Gesammtgeistes, welche auf der ureigenen inneren Fortbewegung der Grundgedanken selbst beruht; aus der innersten Quelle der Ideen