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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-03-01 · Heft 3 (1.3.1902) · p. Seite 55

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 3 (1.3.1902)
Date
1902-03-01
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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55 sammenhang zwischen biblischer und babylonischer Erzählung besteht auch in der Schöpfungsgeschichte und der Darstellung vom ersten Menschenpaar. Auch die Grundgebote des menschlichen Erhaltungstriebes und der Sittlichkeit wie das der Nächstenliebe zeigt uns babylonische Herkunft. Desselben Ursprungs ist die Sage von dem Sündenfall durch die Verführung der Schlange. An dem Relief auf einem uralten babylonischen Siegelcylinder sah man, durch den bekannten Baum getrennt, Mann und Weib einander gegenüber und hinter dem Weib die sich ringelnde Schlange. Des Weiteren erörtert der Herr Vortragende den Zusammenhang der babylonischen und hebräischen Vorstellung von der Fortdauer des Menschen nach dem Tode, von der Strafe der Bösen in der Hölle und der Belohnung der Frommen in dem Paradiese. Die Hölle ist aus der babylonischen Darstellung von der Hitze in der Wüste entstanden, der Himmel der Frommen aus der Vorstellung von dem Labsal, welches das frische Wasser dem Dürstenden gewährt. Verschiedene Reliefs weisen uns auch auf den babylonischen Ursprung der Engel und Dämonen hin. Haftet nun so der Bibel manches Babylonische an, so geht doch aus dem Prozeß bei den Hebräern die Religiosität gereinigt hervor. Die weltgeschichtliche Bedeutung des Monotheismus und der Gottesbegriff ist hier ausgeprägt und in der Tiefe und Hoheit erfaßt worden. Das Ziel freilich, zu dem der Mensch hinstrebt, ist von Babylon schon gezeichnet. „Jahve ist Gott", so lesen wir auf einer Jnschrifttafel, die der Zeit von 2300 vor Christus entstammt, 900 Jahre vor Moses! Unter bildlicher Vorführung des Expeditionshauses der Deutschen Orientgesellschaft, von welchem aus die weiteren Ausgrabungen und Forschungen auf dem Gebiet zwischen Euphrat und Tigris geleitet werden, schloß der Herr Vortragende mit der Versicherung, die Deutsche Orientgesellschaft werde diesen Platz — auf welchem sie bereits einige Jahre an der Arbeit ist — siegreich behaupten und unter dem Ausdruck des Dankes an den Kaiser für seinen der Gesellschaft gewährten Schutz. Nach beendeter Vorlesung wurden Herr Professor Dr. Delitzsch, sowie die Vorstandsmitglieder der Orientalischen Gesellschaft, Herr Rechtsanwalt Hermann, Herr Kommerzienrat James Simon, sowie Herr Schwabach zum Kaiser in seine Loge empfohlen. Aas attjüdische Schulwesen- Jüngst hielt der Professor des Budapester Seminars Herr Dr. Wilh. Bacher in der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums in Wien einen Vortrag über das altjüdische Schulwesen, aus dem wir Einiges folgen lassen.

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