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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-03-01 · Heft 3 (1.3.1902) · p. Seite 53

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 3 (1.3.1902)
Date
1902-03-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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-- T.“T — I -TT-rr-." .U * .. -r*. . . . -V»4f — 53 — dann sprießt aus dem giftgeschwollenen Leibe ein neuer zischender Kopf, blöde glotzend, empor. Das wahnbethörte Menschenherz aber ist härter und kälter als Stein. Was soll nun geschehen? Giebt es in unserem gepriesenen Zeitalter, am Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts, giebt es da keine Macht auf dieser weiten * Erde, um endlich einmal diese aller Logik Hohn sprechenden Blutbeschuldigung zum Verstummen zu bringen? Keine? Nun denn, so rufe ich den Himmel, der in das Dunkel unseres Erdendaseins hineinleuchtet und in Milde und Freundlichkeit über alle Menschen sich wölbt, zum Zeugen der Wahrheit und Unschuld an Ich habe mein Heiligstes verpfändet, ich habe geschworen. O, wie gerne wäre ich bereit, für diesen meinen Schwur mein Leben hinzugeben und als Glaubenszeuge und Märtyrer für die Ehre Israels zu sterben, damit die Welt endlich zur Erkenntnis gelange, wie sehr sich diejenigen versündigen, welche durch die bodenlosen Blutanklagcn tiefe Schmach auf Israels unschuldiges Haupt häufen und seinen seit Jahrtausenden blanken, tadellosen Ehrenschild verunglimpfen; damit es endlich wie die Posaune des Gerichts durch die Weltgeschichte gehe, wie sehr durch diese grundlosen Verleumdungen und Verdächtigungen nicht nur Israel, sondern die gesammte Kulturmenschheit, deren Religionslehrer Israel gewesen, beschimpft, verlästert und herabgewürdigt wird! Herr Liebermann von Sonnenberg! Verspotten sie mich, verhöhnen sie mich als Juden und Judenstämmling, — ich will es mit stoischem Gleichmut ertragen. Für Sie ist das Wort Jude ein Schimpfname, für mich ist es ein Ehrenname. Werfen Sie auf mich persönlich einen Stein, ich will ihn schweigend betrachten und mich prüfen, ob ich den Steinwurf verdiene. Ich will diesen Stein aufheben und auf ihn die Worte schreiben aus dem 3. Buch Moses: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" und ihn dann hinlegen zu jenem Montblanc von Geschossen, die aus allen Richtungen der Windrose auf Israel geschleudert wurden. Dort soll er aufbewahrt bleiben bis zu jenem sehnsüchtig erwarteten schönen Tage, an dem die Sonne der Einsicht und Erkenntnis, der Milde und Toleranz uns Menschenbrüder allesammt erleuchten und erwärmen wird und das sieghafte Licht,der Wahrheit die düsteren Nebel des Vorurteils, des Unmuts und des Hasses zerstreut und überwunden haben wird. Herr Liebermann von Sonnenberg! Machen sie mich persönlich mit den Fehlern und Schwächen, die ich als armer, vergänglicher Mensch besitze, zur Zielscheibe ihres Spottes, zumal da ich ein Jude bin und zu einer schwachen Minorität gehöre. Aber das fordere ich von Ihnen streng und gebieterisch, wie es ein Mann vom andern fordern darf: Geben Sie der von mir beschworenen Wahrheit die Ehre und verunglimpfen sie nicht meine höchsten und heiligsten Ideale! Zerren Sie nicht in den Staub jenen uralten, lauteren Glauben, den ich im Leben wie im Sterben bekenne und der vor drei Jahrtausenden die Prinzipien der Moral und der Sittlichkeit in der Welt proklamiert hat."

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