Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 45 — maßen, daß sie in der That von einer Mumie herriihren. — An der lutherischi theologischen Akademie in Kreßburg, der einzigen lutherisch-theologischen Hochschule der ungarländischen Protestanteu, dozirt semitische Philologie Professor Dornyanschy, einer der besten Schüler Smend's und Wellhausen's. Professor Hornyanszky hat nun zum Beginne des diesjährigen Schuljahres dem Professorenkörper anheimgestellt, daß es in besonderem Interesse des Rufes und des Prestiges der theologischen Akademie wäre, wenn den ins Leben hinaustretenden Pastoren nebst der Kenntnis der alttestamentlichen Litteratur während ihres Studienganges auch Gelegenheit zur Kenntnis des nachbiblischen Judentums und seiner Litteratur geboten werde, und; Herrn Dr.Funk, Rabbiner der israelitischen Religionsgemeinde, welcher den Religionsunterricht in Bezug auf die nachbiblische Geschichte und Litteratur — wie es die alljährigen Schulprüfungen gezeigt — auf ein höheres Niveau gebracht hat, eine sehr geeignete Kraft hiefür empfohlen, der auch durch seinen persönlichen toleranten Charakter diesem Ansuchen gerne Folge leisten würde. Der Intervention Prof. Hornyansky's zufolge hat nun Dr. Funk die Vorlesungen begonnen, und zwar in 5 diesem Semester „Sprüche der Väter" und „Theorie der talmudischen Exgetik." — i Aus Wien wird geschrieben: Warum sind unsere Synagogen so leer, warum ist 1 kein Mittel und kein Mittelchen imstande, sie zu füllen? Opernhafter Gesang, 1 schauspielerisch geschulte und dramatisch vorgetragene Predigt, unverstandene Nachahmung fremder Bräuche, Orgelklang und Damenchor, und doch, und doch, man j lockt das Volk nicht in die Tempel, Bethäuser, Synagogen, nennt sie, wie ihr wollt. Die Synagoge ist aber das Symbol für das Judentum geworden. Seine Bekenner,; oder die es sein sollen, verstehen es nicht mehr. Wohin, ihr Herren Vertreter des Judentums, habt ihr dieses gebracht? Eine versteinerte, verknöcherte Mumie ist es geworden: das Volk, die Masse steht ihm kalt gegenüber, mit einem Worte, man; glaubt denen, die sich so gern als die offiziellen Pächter des Judentums bezeichnen - j und als solche gelten wollen, man glaubt ihren Worten nicht, geschweige ihren Thaten. Man hat das Judentum zu einer Komödie entarten lassen. Was soll i sich ein halbwegs gebildeter Mensch dabei denken, wenn er hört, es sei von seinem i Rabbiner das Tragen eines Regenschirms am Sabbath als Entweihung des heiligen i Tages bezeichnet worden? Unser ohnehin sehr kritisch beanlagtes Volk — wer; kennt es nicht — sollte wirklich Respekt und Ehrfurcht — Schopenhauer nennt es voroounäia. — haben vor den Schirm- und Stockverächtern am Sabbath? — Am Grab; Heinrich Seines auf dem Friedhof Montmartre in Maris wurde am 24. November; das von Wienern gestiftete, von Sasselriis geschaffene Marmordenkmal des Dichters ' enthüllt. Mehrere hundert Personen wohnten der Feier bei, darunter Hermann . Sudermann, Joseph Reinach und Heine's Zeitgenosse, Audebrand. Gaston Descha«p« hielt die französische Rede, worauf Max Uorda« Heine als deutschen Dichter ' | feierte, der das deutsche Wort adelte und die Verehrung der deutschen Sprache - und des deutschen Geistes, wie Goethe, in aller Welt verbreitete als der lyrische Bot- « I