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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-02-01 · Heft 2 (1.2.1902) · p. Seite 36

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 2 (1.2.1902)
Date
1902-02-01
Page
Seite 36 (sequence 12)
Language
German
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V w -ZT" — 36 — Kölner Gemeinde, die verhältnismäßig jung ist und sich erst im Anfänge des 19. Jahrhunderts von Neuem zu bilden begann und in den letzten Jahrzehnte sich rasch entwickelt hat, steht heute an dem Wendepunkte, an dem vor 40 Jahren andere Großgemeinden standen. Selbst Berlin mußte im Jahre 1862, als die in der Oranienbnrgerstraße gelegene große Synagoge vollendet war, unter Kampf und Ringen die Orgel einführen; der Vorstand forderte damals Gutachten von Rabbinern und Musikdirigenten; 5 Rabbiner und 2 musikalische Fachkundige sprachen sich für die Einführung und 2 Rabbiner dagegen aus; seitdem sind noch zwei andere Synagogen in Berlin mit Orgel gebaut worden, zwei andere Gemeinde-Synagogen haben noch den alten Ritus; in dieser unparteiischen Weise befriedigt die Gemeinde- Verwaltung in Berlin alle Gemeinde-Mitglieder. Warum sollte es nun in Köln anders sein, warum soll die ganze Gemeinde, die zu "/io liberal denkt und handelt, das ganze Jahr so beten, wie ein kleines Häuflein wünscht; wo bleibt hier die von orthodoxer Seite oft geforderte „Toleranz"? Dazu kommt, daß die Gegner der Orgel in dem Vorstands- und Repräsentanten-Kolleginm, ja sogar in der Gemeinde zum Teile jener neuen Richtung im Judentum angehören, die ihre ganze Anhänglichkeit an das Judentum dadurch bethätigt, daß sie, ohne selbst die Anforderungen des Glaubens zu beobachten, die Bestrebungen der Orthodoxie unterstützt. Wir haben das unerschütterliche Vertrauen zunächst zu dem Vorstand, in welchem seit den letzten Wahlen junge, neue, energische Kräfte eingetreten sind, Männer, ausgerüstet mit religiösem Sinn und Liebe zum Judentum, Männer mit offenem klaren Blick für die Bedürfnisse der Zeit, die vor allem die Jugend im Auge behalten muß; wir haben ferner das Vertrauen zu der Repräsentanz der Gemeinde, welche gleichfalls durch neue Mitglieder eine innere Umgestaltung erfahren hat und hoffentlich nächstens noch intensiver erfahren wird, daß beide Kollegien alle ihre Kräfte aufbieten werden, alle Bedürfnisse aller Gemeinde-Mitglieder zu befriedigen; wir haben endlich das Vertrauen zu unseren Gemeinde-Mitgliedern, daß sie uns in unserm Bestreben, allen Bedürfnissen der Gemeinde-Mitglieder gerecht zu werden, unterstützen werden. Der Glaubensgenosse, der von auswärts nach Köln zieht, soll, wenn er ohne Orgel beten will, sein Gotteshaus vorffnden, aber auch, wer gewohnt war an einen Gottesdienst mit Musikbegleitung, soll eine Stätte vorbereitet finden, an der er, wie bisher, seine Andacht verrichten kann. Fürwahr, wir wollen nicht einreißen, sondern aufbauen, wir wollen nicht zerstören, sondern erhalten und fördern die Sehnsucht des jüdischen Herzens nach Gott und dem väterlichen Glauben.

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