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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-02-01 · Heft 2 (1.2.1902) · p. Seite 30

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 2 (1.2.1902)
Date
1902-02-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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30 - - - ■ r> - •■- ■ sitzung hatten sich aber auch über tausend Gäste eingefunden, darunter viele Damen, besonders aus den Kreisen der jüdischen Gesellschaft in Basel. Als Dr. Herzl, der Vorsitzende des Aktions-Komitees, den Präsidentenstuhl einnahm, ging ein Beifallssturm durch den Saal. Mit meisterhaften kurzen Worten versetzte Dr. Herzl die Anwesenden mitten in die zionistische Bewegung- Überall, so führte er aus, habe sie freudige Aufnahme gefunden. Die Judenfrage könne nur durch die Juden selbst gelöst werden; auch weitere Kreise kämen allmählig zu der Einsicht, daß einzig durch den Zionismus, der das jüdische Proletariat in Palästina seßhaft machen wolle, das Volk der Juden erlöst werden könne. Die wohlthätige Kolonisation sei gescheitert, die nationale werde gelingen. Die politischen Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung des zionistischen Programms entgegenstellen, lassen sich überwinden. Im Mai vorigen Jahres sei er, Dr. Hrzl, vom Sultan Abdul Hamid in einer längern Audienz empfangen worden und die Güte und Herzlichkeit dieses Empfanges habe ihn mit den besten Hoffnungen erfüllt. Er habe die Überzeugung gewonnen, daß das jüdische Volk in dem regirenden Kalifen einen Freund und Gönner besitze. Der Sultan habe ihn auch ermächtigt, dieses öffentlich mitzuteilen. Die Rede wurde mit großer Begeisterung ausgenommen. Zum Vorsitzenden des Kongreßbüreaus wurde Dr. Herzl (Wien) ernannt; als Vizepräsidenten wurden gewählt: Dr. Max Rordau (Paris), Dr. E. Tschlenow (Moskau), Dr. Moses Gaster (London) und Sir Francis Montefiore (London). Es folgten sodann die Wahlen der verschiedenen Ausschüsse und die Festsetzung der Geschäftsordnung; der Kassenbericht wurde gutgeheißen. Zum Schluffe gelangten in der Eröffnungssitzung noch zahlreiche Telegramme und Sympathieadressen aus allen Ländern zur Verlesung. Auf ein Begrüßungstelegramm an den türkischen Herrscher ist an Dr. Herzl als Präsident des Zionisten-Kongresses folgende Depesche aus dem Palais des Sultans eingelaufen: „Ich habe die in Ihrer Depesche enthaltene Huldigungskundgebung des Kongresses Sr. Majestät unterbreitet und beeile mich, auf Befehl Sr. kaiserlichen Majestät Ihnen seine hohe Befriedigung darüber auszudrücken, gez. der Oberceremonienmeister Ibrahim Bey." — Der Regierungsrat des Kantons Baselstadt hat den Zionisten-Kongreß durch folgendes Schreiben an. den Vorsitzenden Dr. Herzl begrüßt: „Nachdem der Zionisten-Kongreß sich entschlossen hat, seine Tagung in diesem Jahre wiederum, zum viertenmale, in Basel abzuhalten, ergreift der Regierungsrat gern die Gelegenheit, dem Kongresse seinen Willkommgruß zu entbieten und seiner aufrichtigen Achtung für diese Bestrebung. Ausdruck zp verleihen. Er bittet Sie, diesen Gruß mit den den besten Wünschen für die Ersprießlichkeit Ihrer Verhandlungen der Versammlung übermitteln zu wollen." Aus dem von Architekt Marmore! (Wien) erstatteten Jahresbericht ist hervorzuheben, daß die zionistische Bewegung in die entlegendsten Ländern gedrungen ist. Neue Vereine sind in Kanada, Chile, im brasilianischen Staate, Amazonas,

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