Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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k — Aber wird uns auch das Christentun« mit gleicher Anerkennung entgegen kommen, wird unsre Annäherung zu einer Gemeinsamkeit des Strebens und Wirkens führen können, wenn sie nicht auch eine gleiche Gesinnung auf jener Seite findet? Diese Frage dürfte uns in unsrer Ueberzeugung und in unserm Entschluß nicht er« schütter«, auch wenn wir dieselbe verneinen müßten; es darf ja auch der Einzelne die Erfüllung seiner sittlichen Pflichten nicht von der Gesinnung anderer abhängig machen. Aber das Christentum wird diese Anerkennung erwidern, es wird diese Annäherung freudig begrüßen, und auch seinerseits dieselbe herbeizuführen suchen; es wird die Versöhnung annehmen und zum gemeinsamen Werke gern die Hand bieten. Ja, das Christentum hat dies alles bereits gethan, und ist uns mit den ersten Schritten zur Wiedervereinigung zuvorgekommen; es hat in der Reformation zur innern Versöhnung der Religionen selbst den Grund gelegt, indem es sich der reinen. Gotteserkenntnis des Judentums wieder zu nähern begann. Es hat durch die Aufnahme der Juden in das Gebiet seines sozialen und politischen Lebens, die Anerkennung des Judentums in seinen Bekenner« kund gegeben, und manches gemeinsame Werk gab Zeugnis des stillschweigend geschlossenen Bundes. Lassen Sie uns also nicht zaudern, das Werk des Friedens mit voller Kraft zu vollenden, des Friedens zwischen Brüdern, die so lange durch unselige Feindschaft getrennt waren. — Das Judentum soll zu einer Entwicklung seiner selbst gelangen, um sich wieder zu einer bewegenden Kraft im Leben der Gegenwart zu erheben. Um seinen Bekennern eine Teilnahme am Leben der Gegenwart zu erringen, muß es sie in die Nationen und Staaten derselben mit ihrem ganzen Leben aufgehen lassen. — Um endlich sich zu einer bewegenden Kraft der Zeit zu erheben, muß es diese Zeit und die sittlichen Erscheinungen derselben anerkennen, und vornehmlich wird es das Christentum sein, dem es diese Anerkennung zu gewähren hat. Vor allem aber kann es nicht selbst eine bewegende Kraft nach Außen werden, wenn es nicht in seinem Innern Bewegung und Entwicklung kund gibt, kann es nicht an der That unsrer Zeit einen Anteil gewinnen, wenn es nicht mit seinem ganzen Leben in die Zeit hineintritt. Die eigene Selbstentwicklung und die Erhebung zu einer bewegenden Kraft unsrer Zeit ist die Aufgabe des Judentums. Der fünfte Iionistenkongreß. Zum fünftenmale haben sich die Zionisten versammelt, zum vierteumal in Basel, nachdem sie das letzemal in London getagt hatten. Es waren, über 210 Delegirte zionistischer Vereine und Landsmannschaften anwesend. Zu der Eröffnungs-