Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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. -V;.v -r-tfrw. *;,' rr.-fi.' -, n. — 27 — des 19ten Jahrhunderts, sott die wahrhafte Verwirklichung der Religionsidee sein, über welche hinaus nach Inhalt und Form kein Fortschritt weiter denkbar ist. Ja sie sott nicht einmal in so weit eine beschränkte sein, als die Gotteserkenntnis überhaupt in der Grenze des menschlichen Denkvermögens auch die ihrige finden muß, sondern der Inhalt des neuen Testaments ist ihm die absolute Wahrheit, die Erscheinung der Gottheit selbst, die vor Gott eben so wahr ist wie vor den Menschen. Aber es ist auch feststehend, daß auch das Judentum sich bisher in dieser Selbstgenügsamkeit befand, und daher niemals zur wahrhaften Erkenntnis seiner selbst, geschweige zu einem klaren Bewußtsein seiner Bestimmung gelangen konnte, daß es, sich daher nie zu einer freien Selbstentwicklung entschließen konnte, da es stets seinen gegenwärtigen Standpunkt für den einzig und ewig wahren Ausdruck der absoluten Religion hielt. Der erste und bedeutsamste Schritt also, den das Judentum aus dieser Täuschung über sich selbst und seine Aufgabe zu thun hat, ist die Anerkennung des Christentums, als einer neben dem Judentum notwendigen, und daher geschichtlich berechtigten Religion. Sobald das Judentum die Existenz einer andern Religion neben sich, als eine notwendige und berechtigte anerkennt, gesteht es seine Unfähigkeit zu, auf der gegenwärtigen Entwicklungsstufe seines Daseins die religiöse Aufgabe der Menschheit allein und vollständig zu erfüllen und wird sich also getrieben sehen, auf einen höheren Standpunkt zu gelangen, auf welchem es diesem bis jetzt noch nicht erreichten Ziele näher steht. Es wird bemüht sein müssen, diejenigen Elemente seiner Schwesterreligion kennen zu lernen, durch welche dieselbe einer ihm selbst nicht zugänglichen Wirksamkeit fähig wird, und wird sich zu fragen haben, ob eS nicht ebenfalls berufen sei. sich diese Elemente anzueignen, um dadurch den Kreis seiner Wirksamkeit zu erweitern. Auf der andern Seite wird es sich aber auch derjenigen Besonderheit seines eignen Wesens bewußt werden, welche jener gegenüber ihm selbst die eigentümliche Bedeutung gibt, und seine eigene Existenz notwendig macht. Es wird daher diese seine Eigentümlichkeit mit besonderer Sorgfalt zu bewahren und auszubilden suchen. Von wahrhaft segensreicher Bedeutung aber muß diese Anerkennung einer Religion gegen die andere werden, wenn sich dieselbe zu einer gegenseitigen gestaltet; denn erst dann wird ein sittliches Verhältnis zwischen X beiden möglich, wie dies gegenwärtig zwischen den verschiedenen Staaten und i zwischen einzelnen Menschen stattfindet; dann werden auch die Religionen, wie diese, Jj ihre verschiedenen Kräfte gemeinsamen Zwecken widmen können. Möge also das Judentum auch hier den ersten Schritt thun, wie ja von ihm i aus überhaupt die erste Erscheinung einer höheren Gotteserkenntnis ausging, möge § es in seinem Verhältnis zum Christentum zuerst die Bahn brechen zu einer gemein-;■] samen Wirksamkeit der Religionen, möge es durch seine Anerkennung desselben das Bewußtsein kundgeben, in seiner gegenwärtigen Erscheinung seine eigne Vollendung , noch nicht erreicht zu haben, und zugleich das Streben an den Tag lege», eine I