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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-02-01 · Heft 2 (1.2.1902) · p. Seite 26

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 2 (1.2.1902)
Date
1902-02-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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dereinst den Thron einzunehmen, unter dessen Herrschaft sich die ganze Menschheit vereinigt. Aber wer die Aufgabe seines Lebens nicht in seinem persönlichen Dasein erkennt, sondern in den Schöpfungen, die er während desselben auch für eine spätere Zeit hervorrief, der begrüßt freudig den Genossen seines Werkes, der den Lohn der Arbeit mit ihm teilt, denn nicht der Ruhm, es allein vollendet zu haben, sondern die Freude, es vollendet zu sehen, ist das Ziel und die Aufgabe seines Lebens. Seine sittliche, das heißt seine unsterbliche Aufgabe, vermag der Mensch nur dann zu begreifen, wenn er sich selbst nicht als eine geschlossene, um ihrer selbst willen vorhandene Persönlichkeit, sondern als ein Glied, als ein Moment eines größern und immer großen Ganzen erkennt. Denn je höher wir so emporsteig-'n im Bewußtsein, npr ein Atom zu sein in dem unentlichen Weltall, in welchem der göttliche Wille seine unbegreifliche, sich selbst auferlegte Bestimmung erfüllt, je mehr wir unser Thun im Zusammenhang mit dieser einen von keinem Raum und keiner Zeit begrenzten That erkennen, um so höher ist die Stufe der Sittlichkeit und der Religiösität, auf welcher wir stehen; und wahre Religion ist es, wenn wir in jedem Augenblick kknsres Lebens uns selbst und all unser Thun als ein schwindendes Moment betrachten, das nur in größeren und immer größeren Aufgaben und endlich in der einen göttlichen Aufgabe des Weltalls seine wahrhafte Bestimmung findet. Auch die Religionen haben ihre Bestimmung noch nicht begriffen, so lange sie sich selbst und ihre Bewirklichung für ihren letzten Zweck halten, oder wohl gar ihre augenblickliche Erscheinung als die absolute und ewig dauernde Wahrheit ansehen. Auch die Religionen müssen sich, wie die Staaten, zunächst nur als Momente in der Geschichte der Menschheit erkennen und ihre gegenwärtige Erscheinung als ein Moment in der Geschichte ihrer eigenen Entwicklung. Die Religionen aber gleichen den philosophischen Systemen, von denen immer das jüngste glaubt, das letzte und unumstößliche Resultat der Wahrheit selbst zu Tage gefördert zu haben, und daher alle früheren und . späteren verwirft, indem es einen Fortschritt über sich hinaus für unmöglich erklärt. So will sich auch jede Religion nicht für eine Religion, sondern für die Religion selbst anerkannt wissen, für welche und über tvelche hinaus keine Entwicklung mehr möglich sei. Auch hier wie in der Philosophie hat sich die neuere Zeit dazu erhoben, alle Religionen der verschiedenen Völker und Zeiten als Religion anzuerkennen, d. h. als den Ausdruck eines notwendigen Moments in der Entwicklung der Religion überhaupt. Aber während Schilling in der Mythologie der Aegypter, der Inder und Griechen die bedeutsamen Momente einer wahrhaften Gotteserkenntnis nachweist, und sie gegenseitig als Entwicklungsstufen einer und derselben Religion begreift, verläßt ihn sein objektives Urteil, sobald er in das Gebiet des Christentums eintritt; denn hier will er plötzlich die absolute, die unumstößliche und vollendete Wahrheit sehen; und nicht nur das Christentum überhaubt, sondern sein Christentum, das Lutherische Christentum

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