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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-01-01 · Heft 1 (1.1.1902) · p. Seite 22

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 1 (1.1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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unserer Reformgemeinde fernstehen, über die Sachlage wahrheitsgemäß aufzuklären, erlauben wir uns, folgenden Gesichtspunkt Ihrer besonderen Beachtung zu empfehlen: Die Reformgemeinde hat nie die Idee des Sabbaths aufgegeben; sie hat nie den Sabbath auf den Sonntag verlegt; aber sie hat schon vor 50 Jahren den Konflikt nnseres Erwerbslebens mit der herkömmlichen Sabbathfeier erkannt und deshalb die Veranstaltung eines sonntäglichen Gottesdienstes für eine unabweisliche Notwendigkeit erachtet, der im Interesse der Erhaltung und Fortpflanzung des Judentums nachgegeben werden mußte. Die jetzt aus den Kreisen der Hauptgemeinde, der auch wir als treue Mitglieder angehören, ohne jede Propaganda unsererseits hervorgegangenen Bestrebungen für Einführung des sonntäglichen Predigtgottesdienstes bestätigen, daß unsere Väter in unerschütterlicher Anhänglichkeit an unseren Glauben den gebieterischen Forderungen der Zeit, vorausschauend, Rechnung getragen haben. Sie werden daher, indem Sie unserer Anregung Folge leisten, nicht nur Ihr warmes Interesse für unsere Reformgemeinde bethätigen, sondern zugleich auch dahin wirken, daß die künftige Vertretung der Jüdischen Hauptgeineinde Berlins eine Zusammensetzung erhält, die es verbürgt, daß ohne fanatischen Parteihader den Anforderungen jeder religiösen Richtung von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken entsprochen wird. — Das königlich preußische statistische Bureau veröffentlicht die endgiltigen Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1900. Die ortsanwesende Bevölkerung betrug an diesem Tage in Preußen 34 427 509 Personen, die sich auf die einzelnen Religionsbekenntnisse wie folgt vertheilen: 21817 577 Evangelische; 12 113670 Katholiken; 139 127 andere Christen (inkl. Dissidenten); 392322 Juden; 9 813 andere und unbekannter Religion angehörig. Im ganzen stehen also den 392 322 Juden 34 080 187 Andersgläubige gegenüber. — Aus Kerlin berichtet man: Seit langer Zeit hat sich wieder Lelser Ury entschlossen, eine größere Ausstellung zu veranstalten, die bei Schulte eröffnet wurde. Urys Ausstellung ist die erste historische, die er überhaupt öffentlich geboten hat- Man sieht aus dem Anfänge der 80 er Jahre, als in Deutschland kaum jemand auf Licht und Farben malte und die wenigen, die es thaten, ausgelacht und ausgehungert wurden, aus dieser Zeit sieht man eine ganze Reihe von Werken seiner Hand, die heute noch den Schimmer dieses Lichts und dieser Farben haben, wo wir heute solche Genüsse aus vollen Bechern zu schlürfen gewohnt sind. Von den Phautasiebildern ist diesmal der gewaltige „Jeremias" ausgestellt, an dem Ury seit geraumer Zeit gearbeitet hat. Dieses Werk wird, ähnlich wie sein erstes, die „Trauernden Juden" die treffen, die für Kaffe in der Malerei ein Verständnis haben. Wenn, man Jahr für Jahr die bescheidenen Bestrebungen wohlbekannter Maler sieht, aus historischen Stoffen große Horizonte zu entwickeln, so fühlt man sich hier wie einem Genie gegenüber. Ury könnte für das alte Testament das werden, was Uljde für das neue ist. Wie in Uhde, dem großen Könner, ein neues Licht emporgestiegen ist über die sozialen und menschlichen Dinge des Christentums, so lebt in Ury die

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