Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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23 — alte heilige Flamme des Orients, der heiße Odem, der über die rauhe Erde streicht, die Riesengestalten elementarer Geschöpfe vor dem grandiosen Hintergründe einer unermeßlichen Weite. Sein „Jeremias" ist nicht der Theaterheld der Düsseldorfer, sondern er ist ein Stück der Erde selbst. Eine Kreatur der Erde, liegt er zusammen gekauert auf dem Boden, der nur seine dunkle Linie fortsetzt, ein gewaltiges Stück elend, zerschlagen, zertrümmert, zertreten. Eine furchtbare Erscheinung. Dem nahen Menschen, der ihn plötzlich sieht, ein großer, tiefer Fluch. Und über dem Fluchenden wölbt sich der Nachthimmel, der von Ewigkeit zu Ewigkeit in seinen ruhigen Tönen feststeht, und aus dem die Hellen Sterne herunterlächeln — unverständlich dem Geschlagenen. — In Frankfurt a. M. ist Herr Marimilian Goldschmidt zum österreichisch-ungarischen General-Konsul ernannt worden. — In den vereinigten Berliner U. O. B. B. Logen in Herlin sprach der Schriftsteller Fritz Itahl über die Beziehungen der bildenden Kunst zu dem Judentum. Der Redner ging von der bekannten Thatsache aus, daß es eine jüdische Kunst im eigentlichen Sinne nicht gebe und auf Grund des Gesetzes Moses nicht geben könne, das zwar nicht kunstfeindlich sei, aber den Götzendienst durch das Gebot „Du sollst dir keinerlei Bildnis machen u. s. w." habe verhindern wollen. Es könne sich also nur um die Beantwortung der beiden Fragen handeln, welche Stoffe und welche Künstler das Judentum der bildenden Kunst der Welt gegeben habe. Eine überraschende Fülle von Material trete bei Untersuchung dieser Frage zu Tage. In allen Ländern und zu allen Zeiten hätten hervorragende christliche Künstler ihre Stoffe der jüdischen Geschichte entlehnt, ja. der biblische Stoffkreis der Juden hätte sich sogar Rom, den Vitikan und die sixtinische Kapelle erobert. Von einem Mitbewerb jüdischer Künstler habe natürlich erst von der Zeit an die Rede sein können, als die Bahn frei geworden sei für die Beteiligung der Juden am Kulturleben im Allgemeinen. Redner nennt unter den Koryphäen der Kunst, von denen allein in dem engen Rahmen eines Vortrags natürlich nur die Rede sein könne, Philipp Veit, einen Enkel Moses Mendelssohns, Munkacsy, Israel, Antokolsky, Ury, Becker, Louis Korinth, Max Liebermann u. v. a. und gibt in außerordentlich interessanter Weise einen Überblick über die von ihnen geschaffenen hervorragenden Kunstwerke, die ihnen einen bleibenden Namen in der Geschichte der Kunst sichern. Viele von diesen Kunstwerken seien erst ganz verständlich, wenn man die Zugehörigkeit der Künstler zum jüdischen Glauben kenne. Denn aus dem Nationalitätsgefühl heraus, dem Gefühl der unbewußten Sehnsucht und dem Gefühl, bedrückt, unterdrückt, verfolgt und gequält zu sein, hätten sie namentlich bei Motiven aus dem jüdischen Leben, Typen geschaffen, die eine ergreifende Sprache zu dem Beschauer redeten. Auf die Gegenwart übergehend, betont der Redner, daß die Anteilnahme der Juden an der bildenden Kunst erfreulicherweise eine immer größere werde, und daß jüdische Gelehrte sich der Pstege der deutschen Kunst widmen. — Herrn Dr. med. Meophil Iaffö in Frankfurt a. W. ist der Charakter als Sanitätsrat verliehen worden. —