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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-01-01 · Heft 1 (1.1.1902) · p. Seite 20

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 1 (1.1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 „das Material, aus dem er seine Riesenbauten geformt, nicht der Zeit geschenkt, sondern ihm hat es die Zeit geboten." Aber beim Volke war es blos latent, ohne zum Bewußtsein zu gelangen, erst die Bildner der Generation haben es zum Bewußtsein des Volkes gebracht Wir sprechen vom Einfluß der Sophysten auf ihr Zeitalter, von dem Adam Sch mit's auf den Manchesterliberalismus, von dem Marx's und Lassale's auf das deutsche Proletariat, von dem Mendelsohn's auf die Zivilisation der Juden und auch die jüngste Generation steht unter dem Banner ihrer Generationsbildner Wer sind die Bildner unserer jungen Generation? Frau Grete Meisel- Heß, die als gediegene Schriftstellerin bekannt ist, hat in einem durch Klarheit der Auffassung und Eleganz des Styles sich auszeichnenden Essay die au sich vielleicht nicht unschwierige Frage zu lösen gesucht,*) und kommt zum Resultate daß Darwin — Zola — Ibsen — Nietsche die Hauptbildner unserer Generation sind. Dieser viergestirnte Leuchtkörper zog auf dem Horizont der Gegenwart herauf, um ein hellstrahlendes Licht zu verbreiten. Fast gleichzeitig, wie auf Verabredung, haben diese vier Männer, in rascher Aufeinanderfolge, die Fackel ihres leuchtenden Geistes angezündet, um die Finsternis in der die Menschheit noch blindlings herumtappt, zu zerstreuen. Sie sind die Prometheus der Jetztzeit, die die junge heranreifende Generation formen, bilden und umbilden. Sie bilden die Generation, indem letztere sich ihre Lehren zu eigen macht, so daß ihre Lebensanschauung ins Blut und Fleisch derselben überging. Sie haben die Generation von den verrosteten alten Fesseln befreit, indem sie ihr den verammelten Zugang zur Wirklichkeit wieder eröffneten und den Weg zur Natürlichkeit zeigten. Zola hat der Menschheit, die auf der Suche nach Befreiung von den Lächerlichkeiten und Peinlichkeiten des Lebens sich befand, einen neuen Weg gewiesen: den der freiesten unbefangensten Natürlichkeit... Und Ibsen hat der nächsten Jugend, die wir sind, den sicheren Untergrund der Natürlichkeit, gegeben. „Wahrheit und Schönheit lagen im Kampf miteinander, bis die freie unbefangene Natürlichkeit sie einte." Nicht zufällig sind die Generationsbildner einer nach dem anderen auf den Plan getreten, sondern, einem naturnotwendigen, geschichtlich bedingten Gesetze gehorchend, mußten sie sich der Reihe nach ablösen und gegenseitig ergänzen. Darwin reißt den Menschen von der Höhe des Himmels und versetzt ihn in das gebührende Rayon; Zola hebt ihn aus der Tiefe des Abgrundes und durchtränkt ihn mit dem „Geiste einer freien reinigenden Natürlichkeit" . . . „Und in schimmernden Dichterräumen hat Ibsen seine Begriffswelt erschlossen; in eherner Gesetzgebung Nietzsche, der vom Sinai seiner Erkenntnis herab neue Gebote mit neuen Namen in neue Tafeln gegraben." *) Generationen und ihre Bildner, Essay v. Grete Meisel-Heß. Dr. John Edelheim Verlag, Berlin 1901. ,

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