Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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regierenden Häuser von Preußen, England, Sachsen-Coburg durch die Häuser von Braunschweig, Mecklenburg-Strelitz und Sachsen-Weimar mit den Eronbergs verknüpft. Unter den Angehörigen des Geschlechtes hat im XVI. Jahrhundert Hartmut XII. „der Bekenner", ein treuer Anhänger Franz v. Sikkingen's und Luther's, die politisch hervorragendste Rolle gespielt. Aus dessen Leben erzählt Ludwig von Ompteda in seinem Buche „Die von Cronberg und ihr Herrensitz" folgende Episode: Am 6. September 1535 schreibt Luther an Spaletin, den Hofkaplan und Geheimschreiber Friedrich's des Weisen: „Hartmut von Cronberg ist in Wittenberg und sucht seine Schwester. Diese, eine bis dahin ehrbare Frau und Witwe, ist von einem Juden geehelicht und entführt worden". Diese Schwester Hartmut's, Walpurga Lorichia, war um das Jahr 1500 geboren und als ganz junges Mädchen an den viel älteren Wolfgang von Dalberg, genannt „der Schüler", verheiratet worden. Dalberg starb, als seine Gattin 27 Jahre alt war, und ließ sie mit drei Kindern zurück. Acht Jahre nach dem Tode ihres Mannes begab sich Lorichia nach Köln, um dort den Rat eines Arztes einzuholen. Sie erreichte aber Köln nicht und blieb verschwunden, bis ihre Schwester Katharina, eine Klosterfrau in Liebenau, und ihr Schwager Friedrich Dalberg durch Briefe davon in Kenntnis gesetzt wurden, daß sie sich in Erfurt befinde, sich heimlich wieder verheiratet habe und ihrer Entbindung entgegensehe. Die Verbindung sei allerdings nicht ganz standesgemäß, doch wolle sie die Thatsache nicht verheimlichen da ihr die Verheiratung freistehe. Sie sei bereit, gegen einen ziemlichen Pfennig alle Staatskleider und Kleinodien auszuliefern, und empfehle ihre Kinder dem Wohlwollen ihrer Verwandten. Die Dalbergs und Hartmut verlangten darauf, daß ihnen reiner Wein eingegossen werde und vor allem zu erfahren, wem Frau Lorichia die Hand gereicht. So kam es heraus, daß ein in Groß-Gerau unter dem Landgrafen von Hessen wohnhafter Jude Namens Jakob der Glückliche war. Jakob hatte wohl eine Frau und vier Kinder, jedoch sei es ihm nach jüdischem Gesetze gestattet, seiner Frau einen Scheidebrief zu geben und sich eine neue Frau zu nehmen. Lorichia erklärte, sie habe niemanden lieber als ihren Jakob, und schon drei Jahre mit ihm ein Verhältnis unterhalten. Aus Erfurt ging Frau Lorichia nach Wittenberg, wo Martin Luther sich ihrer sehr freundlich angenommen und als das Kind geboren wurde, bei ihm Gevatter gestanden hat, ohne damals zu wissen, daß er mit einer Schwester seines Freundes Cronberg zu thun habe. Das hat er erst erfahren, als Hartmut Cronberg auf der Suche nach seiner Schwester bei ihm erschien. Luther ist mit der ganzen Macht seiner Persönlichkeit für „Lorchen" bei ihrem Bruder eingetreten und hat es verstanden, diesen zu dem Versprechen zu bestimmen, daß er die Schwester aufsuchen und für sie sorgen werde. Lorichia Dalberg muß ein ganz eigenartiges Weib gewesen sein und hat auch auf Luther Eindruck gemacht, denn dieser schildert sie als ein ganz „vortreffliches" Weib und bedauert, daß sie sich ihm nicht voll änvertraut hat, denn er wäre dann in der Lage gewesen, sie schon früher