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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-01-01 · Heft 1 (1.1.1902) · p. Seite 13

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 1 (1.1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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r . .... -t, .. fand Verwendung am Gericht in Wien und in Salzburg. In Salzburg erschien mir die Arbeit anziehender; die Scenerie um die Stadt ist ja bekanntlich eine besonders schöne. Mein Amtszimmer war in einem alten Festungsturm gerade unter dem Glockenstuhl, und täglich tönte mir dreimal das Geläute recht hübsch in die Ohren. „Natürlich schrieb ich mehr für das Theater als für das Gericht. In Salzburg brachte ich einige der glücklichsten Stunden meines Lebens zu. Ich wäre auch gern in der schönen Stadt geblieben; aber als Jude wäre ich nie zur Stellung eines Richters befördert worden. Deshalb nahm ich damals von Salzburg und der Rechtsgelehrsamkeit Abschied. „Wieder bereitete ich dem Rabbi von Budapest großen Ärger; denn anstatt einen wirklichen Beruf oder eine Kunst zu ergreifen, fing ich an zu reisen und für das Theater und Zeitungen zu schreiben. Viele meiner Stücke wurden auf verschiedenen Theatern aufgeführt: einige mit vielem Beifall, andere fielen durch. Bis zn diesem Augenblick kann ich nicht verstehen, warum einige meiner Stücke Beifall 1 fanden, andere von der Bühne verschwanden. Diese Verschiedenheit der Aufnahme meiner Stücke lehrte mich jedoch, es nicht zu beachten, ob das Publikum mein -j Werk beklatschte oder auspfiff. Man muß es sich selbst recht machen; alles andere j. ist gleichgiltig. Ich verwerfe gegenwärtig alle meine Stücke, selbst die, welche noch am Kaiserlichen Burgtheater in Wien Beifall finden, und kümmere mich nicht länger 1 um sie. | „Im Jahre 1889 heiratete ich und habe drei Kinder, einen Knaben und zwei Mädchen. Nach meiner Meinung sind meine Kinder weder häßlich noch dumm. Aber natürlich kann ich mich täuschen. „Während. meiner Reise in Spanien 1891 machte das Wiener Blatt die „Neue Freie Presse" mir das Anerbieten ihr Korrespondent in Paris zu werden. Ich nahm diese Stellung an, obgleich ich bis zu der Zeit die Politik verachtet und verabscheut hatte. In Paris hatte ich Gelegenheit zu erfahren, was die Welt unter Politik versteht, und ich sprach meine Ansichten in einem kleinen Buch „Das Palais Bourbon" aus. 1895 Hatteich genug in Paris und kehrte nach Wien zurück. „Während der letzten zwei Monate meines Aufenthaltes in Paris schrieb ich das Buch „Der Judenstaat". Ich erinnere mich nicht, je etwas in so erhabener Gemütsstimmung wie dieses geschrieben zu haben. Heine sagt, daß er die Schwingen eines Adlers über seinem Haupte rauschen hörte, als er gewisse Verse niederschrieb. Ich glaubte auch an so etwas wie ein Rauschen über meinem Haupte, als ich dieses Buch schrieb. Ich arbeitete an ihm täglich, bis ich ganz erschöpft war; meine einzige Erholung am Abend bestand darin, daß ich Wagnerscher Musik zuhörte, besonders dein Tannhäuser, welche Oper ich so oft hörte, wie sie gegeben wurde. Nur an den Abenden, >vo keine Oper aufgeführt wurde, fühlte ich Zweifel an der Richtig« keit meiner Gedanken. warn

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